Privater Spender oder Samenbank?

Als wir anfingen, uns über Kinder Gedanken zu machen, kam natürlich relativ schnell die Frage auf, wie wir denn nun an Sperma kommen. Grundsätzlich haben wir da als lesbisches Paar ja zwei Möglichkeiten: Entweder ein privater Samenspender, oder eine Samenbank. Zu Beginn waren wir uns absolut sicher, dass eine Samenbank auf keinen Fall in Frage kommt. Wir wollten zwar keine 3- oder 4-Elternfamilie, aber das Kind sollte auf jeden Fall die Möglichkeit haben, schon früh den Vater kennenzulernen. Also haben wir in allen einschlägigen Foren bzw. Websites Anzeigen geschaltet.

Zuerst war die Resonanz relativ hoch, doch grundsätzlich konnten wir schon bereits direkt nach der ersten Kontaktaufnahme ca. 90 Prozent der Zuschriften aussortieren. Die Gründe waren vielfältig:

1. Viele der Männer waren deutlich älter als wir (in etwa so alt wie unsere Eltern oder ein paar Jahre jünger). Das kam für uns nicht in Frage, weil wir ja eben wollten, dass unser Kind von Beginn an Kontakt haben kann. Und ganz ehrlich: Ich hätte mich damit einfach nicht wohl gefühlt, meiner Freundin Sperma zu inseminieren, das genausogut von meinem Vater hätte stammen können (Also rein vom Alter her). Eine gewisse Sympathie war uns schon wichtig, weshalb wir unter anderem einen Spender in unserem Alter (20-30 Jahre) möchten.

2. Obwohl wir eindeutig(!) formuliert hatten, dass nur, und auch wirklich ausschließlich, die Bechermethode in Frage kommt, gab es trotzdem immer wieder Anfragen mit der „natürlichen“ Methode. Dazu muss auch nichts weiter gesagt werden. Wir sind nämlich absolut glücklich mit unserer monogamen lesbischen Lebensweise (und dem Sex :D)

3. Die Gründe für die Samenspende. Sympathisch wäre es uns gewesen, wenn ein Spender beispielsweise deshalb seinen Samen spendet, weil er selbst in der Familie oder im Freundeskreis auf das Problem gestoßen ist (ob nun durch unfruchtbaren Mann oder eben bei einem lesbischen Paar). Ok wäre noch gewesen, wenn Geld das Hauptargument gewesen wäre, warum er den Samen spendet (Wir sind Studenten – das Argument verstehen wir also). Tja – soviel zur Wunschvorstellung. Im Ergebnis hatten wir dann zu 2 potentiellen Männern Kontakt: Der eine ist vor einem Jahr erst nach Deutschland gekommen und wollte nun auf diesem Weg eine „Familie“ gründen und der andere… Naja. Offiziell behauptete er, dass er selbst gerne Kinder hätte und aufgrund seines wenig gefragten Studiums im Bereich der Geisteswissenschaften finanziell gesehen keine Familie gründen könnte. Was die wahren Gründe bei diesem Mann waren: Keine Ahnung. Das haben wir selbst nach langem, gemeinsamen Grübeln nicht herausgefunden.

Als wir uns dann etwa 2 Monate mit der Suche nach potentiellen Samenspendern „herumgeschlagen“ haben, waren wir langsam echt ungeduldig und haben begonnen, uns mit der Alternative Samenbank auseinanderzusetzen. Und schließlich haben wir festgestellt, dass der einzige Punkt, der negativ im Vergleich zu einem privaten Spender ist, der Kontakt zwischen Kind und Vater ist. Bei fast allen Samenbanken kann das Kind erst mit 18 Jahren den „Erzeuger“ kennenlernen, wenn es das selbst möchte. Dafür ist vieles so viel leichter bei diesem Weg:

1. Gesundheitlich ist diese Methode völlig unbedenklich (Die Spender werden auf alle möglichen Krankheiten im Vorfeld getestet)

2. Es gibt eine große Auswahl an Spendern, die auf den ersten Blick zu uns „passen“ würden

3. Rechtlich gesehen ist der Fall eindeutig (Das war uns wichtig, weil wir ja durch die Stiefkindadoption die Möglichkeit haben, beide rechtliche Eltern zu sein und das auf jeden Fall möchten)

4. Die Insemination wird von einem Arzt durchgeführt, der auch Ahnung davon hat, was er da tut; Außerdem gibt es so die Möglichkeit der IUI

5. Das Sperma ist auf jeden Fall von hoher Qualität, sodass meine Freundin (hoffentlich!) schnell schwanger wird

Deshalb haben wir uns letztendlich – trotz des für uns persönlich einen einzigen Nachteils – für eine Samenbank entschieden. Und nun warten wir, bis die Voruntersuchungen abgeschlossen sind. Und danach warten wir, bis wir im Urlaub waren und es endlich März ist und wir starten können 😀

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