Jahresrückblick

Das Jahr begann für uns relativ unspektakulär. Wir hatten bis Mitte Februar Uni und haben im 1. Prüfungszeitraum (glaub ich) keine Prüfung gemacht, weil wir bis kurz vor den Prüfungen noch unzählige Belege machen mussten und einfach kaum Zeit hatten zu lernen.

Im März waren wir dann in Japan, für 15 Nächte. Das war sozusagen unser erster gemeinsamer Urlaub… Es war einfach wundervoll. Direkt nachdem wir angekommen sind, hab ich mich einfach nur wohl gefühlt. Dies hielt an, bis wir schließlich wieder zurück mussten. Die Zeit danach war vor allem für mich relativ hart, und ich habe kaum in den Alltag zurückgefunden. Auch wenn das wahrscheinlich total seltsam klingt, ich konnte es einfach nicht. Bis etwa Mitte April, also einen Monat nach unserer Rückkehr, hat es gedauert, bis ich hier wieder einigermaßen „angekommen“ bin.

Hier ein paar Eindrücke:

Exif_JPEG_PICTURE

Hachiko in Shibuya

Exif_JPEG_PICTURE

Auf dem Weg zum Strand – ca. 1 Stunde von Tokyo entfernt (Kazusa-Ichinomiya)

Exif_JPEG_PICTURE

Nikko

Exif_JPEG_PICTURE

Tokyo von oben

Exif_JPEG_PICTURE

Tempelanlage in Kyoto

Also, schließlich waren wir dann wieder hier. Und ich war total unglücklich damit. Kurz bevor meine Freundin dann verzweifelt ist, weil es mir so schlecht ging, haben wir beschlossen, nach Japan zu gehen. Ursprünglich wollten wir direkt nach dem Bachelor (Also ca. im April 2014) nach Japan und versuchen, dort entweder zu arbeiten oder den Master zu machen. Allerdings wäre es das dann gewesen mit Familienplanung. Also haben wir uns nach langem Überlegen entschlossen, diesen Plan ruhen zu lassen und erstmal Kinder in die Welt zu setzen 😀

Etwa im Mai haben wir uns dann entgültig entschieden, das Projekt „Kinder“ im Studium anzugehen. Ursprünglich wollte meine Freundin warten, bis wir den Bachelor haben – also bis April 2014. Damit war ich aber so überhaupt nicht einverstanden und dann habe ich sie schließlich davon überzeugen können, schon im März 2013 anzufangen. So ist, wenn das Baby da ist, höchstens noch die Bachelorarbeit „übrig“.

Und seitdem leben wir eben dafür. Wir haben viel gearbeitet in diesem Jahr, um das Finanzielle zu regeln. Wir versuchen ( 😀 ) uns im Studium anzustrengen, um es möglichst schnell zu Ende zu bringen und jetzt müssen wir nur noch 3 1/2 Monate warten, bis wir hoffentlich unsere 1. IUI angehen können!

Soviel für heute. Viel Spaß mit den Bildern und einen guten Rutsch!

 

Edit: Ich habe gerade festgestellt, dass es unter Umständen nur noch 2 1/2 Monate bis zur ersten IUI sind… Ich werd nervös 😉

Weihnachten oder auch nicht

Kaum sind Ferien, ist man auch schon krank.

Meine Freundin liegt seit Samstag mit diversen gesundheitlichen „Problemen“ im Bett – hohes Fieber (morgens meist 39,5 Grad), starke Halsschmerzen, Husten, Gliederschmerzen, 2 verschiedenen Arten Kopfschmerzen (natürlich immer abwechselnd, sodass sie permanent Schmerzen hat) und generelles Ih-Bäh-Fühlen. Ich tippe auf Grippe, andere Vorschläge?

Viel kümmern kann ich mich auch nicht, weil es einfach nichts gibt, was es besser macht. Versucht haben wir bereits kalte Wadenwickel (die sie absolut hasst, aber wir waren verzweifelt – geholfen hats irgendwie trotzdem nicht), Literweise Tee, Hustenbonbons (die haben sogar etwas geholfen), und natürlich Schmerzmittel. Das Fieber haben wir einigermaßen im Griff, aber ansonsten… Aber nach Kümmern und Pflegen ist meiner Freundin sowieso nicht, da sie ca. 20 Stunden pro Tag schläft. Immerhin hat sie in der Zeit keine Schmerzen :/

Ich habs dafür seit Samstag Nachmittag mit meinem Magen. Am Samstag musste ich mich dann auch gleich übergeben, Sonntag war mir dann nur noch schlecht. Bis heute (Dienstag) bekomm ich aber kaum was gegessen. Entweder mir wird beim Gedanken an Essen übel oder ich hab immer noch Magenschmerzen. Also weiter Tee trinken und abwarten, dass es besser wird… Immerhin geht es mir, abgesehen davon und im Vergleich zu meiner Liebsten, echt noch gut.

Das alles hat uns natürlich Weihnachten nicht gerade versüßt, sodass wir einfach beschlossen haben, das Feiern zu verschieben. Es gab auch noch keine Geschenke, kein besonderes Essen (wir hatten beide eh keine Lust auf Essen), garnichts.

Also versuch ich momentan die Zeit totzuschlagen, bis es meiner Freundin wieder besser geht. Vorschläge?

Abgesehen von den Problemen gibt es aber auch einen Lichtblick: Am Samstag morgen, als es uns beiden noch einigermaßen gut ging, haben wir 3 Regale für unser Wohnzimmer abgeholt. Rote Billy-Regale 😀 (Wir outen uns mal ganz unauffällig…) Leider gibt es die ja bei Ikea nicht mehr zu kaufen, aber wir hatten Glück und haben sie gebraucht relativ schnell gefunden. Unsere beiden Katzen sind an den neuen Regalen natürlich überaus interessiert und haben auch schon ordentlich Chaos gemacht… Ganz besonders interessant sind die Regale auch, weil sie direkt neben dem Kratzbaum stehen und beide deshalb hervorragend auf den obersten Regalboden springen können. Vielleicht gibts davon ja auch mal Bilder, wenn ich die Regale dann fertig eingeräumt habe. Dazu bin ich am Samstag nicht mehr gekommen, weil es mir da schon nicht mehr so gut ging. Aber heute kann ich das sicher in Angriff nehmen 🙂

Vielleicht gibt es dann sogar ein Katze-im-Regal-Bild 😀

Edit:

Hier die versprochenen Katzen-im-Regal-Bilder:

Der Kater:

P1090371

Die Katze:

P1090380

Sind sie nicht niiiedlich. So süß und unschuldig 😉

Zukunft

(Die Titel passen in letzter Zeit aber wirklich hervorragend!)

In diesem Post möchte ich mich mal an die Leser des Blogs wenden. Aktuell geht es bei uns ja viel um die Zukunft, und entsprechend auch die Zukunftsplanung. Generell sind meine Freundin und ich fast immer einer Meinung. Wir sind uns in den „wichtigen“ Dingen einfach relativ ähnlich, sodass da kaum „Konfliktpotential“ besteht. Jetzt gibt es allerdings ein Thema, bei dem wir uns so garnicht einig werden: Der zukünftige Wohnort.

Erstmal zu den Ansprüchen, die wir beide an unseren Wohnort stellen: Wir möchten beide in einer Großstadt bleiben. Außerdem können wir uns beide – je nach Stadt – vorstellen, am Stadtrand zu wohnen. Eine andere Möglichkeit ist eine Mietwohnung mitten in der Stadt – damit wären wir auch glücklich. Soweit, so gut. Oder eben auch nicht. Denn beim Wohnort werden wir uns gerade nicht einig. Ich würde gerne in ein anderes Land gehen (das Land steht auch schon fest, es soll genau dieses Land sein). Dort gefällt es meiner Freundin zwar grundsätzlich auch wirklich gut, aber das Leben mit Kindern kann sie sich da so garnicht vorstellen. In diesem Land würden wir relativ sicher beide Vollzeit arbeiten müssen, schon allein, um ein Visum zu bekommen. Und weil das Leben dort entsprechend „teuer“ sein wird, sodass wir auch beide auf einen gut bezahlten Job angewiesen sind. Solch einen Job zu finden, dürfte allerdings nicht das Problem werden. Dann würden unsere Kinder natürlich auch den ganzen Tag „fremdbetreut“ werden – finden wir beide gleichermaßen blöd, geht aber nunmal dann nicht anders. Dies wäre allerdings nur für kurze Zeit so, denn sobald die Kinder in die Schule gehen würden, wäre sowieso den ganzen Tag lang Unterricht – je nach Schule und Hobbies wären die Kinder also wahrscheinlich von 7 bis mindestens 18 Uhr aus dem Haus.

Grundsätzlich stellen wir uns das Familienleben beide anders vor. Allerdings sind die äußeren Umstände für meine Freundin Grund genug, um ein Leben dort, unter genau den Bedingungen, auszuschließen. Ich hingegen würde das Abenteuer wagen und dann einfach mal sehen, wie wir das Leben an unsere „Ansprüche“ anpassen. Sollte sich herausstellen, dass wir beide damit nicht glücklich werden, würden wir dann weiterüberlegen müssen.

Nun ist das natürlich alles in weiter Zukunft, weshalb wir auch genug Zeit haben, um uns darüber Gedanken zu machen. Aber wie würdet ihr in diesem Fall eine Entscheidung treffen? Einig werden wir uns wahrscheinlich nicht, sodass alle Lösungen erstmal ein „Kompromiss“ wären. Bei diesem Problem würde es wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass einer von uns seinen „Wunsch“ erfüllt bekommt, und der andere dann halt damit „zurechtkommen“ muss – eine andere Möglichkeit sehe ich gerade nicht. Vielleicht könnt ihr uns ja helfen, mal Klarheit in unsere Gedankenwirrungen zu bekommen…

Gegenwart

Montag war es schließlich soweit: Meine Mutter hat sich bei mir gemeldet. Eigentlich hatte ich damit kaum mehr gerechnet. Aber „es war ja alles so stressig. Unser Telefon funktioniert die ganze Zeit nicht. Die Leitungen müssen wahrscheinlich neu gemacht werden.“ Blabla.

Letztendlich gibt es nicht viel zu berichten. Nur, dass ich natürlich alles falsch gemacht habe. Ich habe alles falsch verstanden. Und ich soll doch mal darüber nachdenken, ob ich nicht „auch schuld daran bin„. Bei der Aussage wäre ich fast explodiert. Während meiner gesamten Kindheit durfte ich mir immer anhören, dass ich an allem Schuld bin. 

Das richtig schwierige an der ganzen Sache ist eigentlich, dass sie selbst an den Mist glaubt, den sie von sich gibt. Sie glaubt wirklich an die Dinge, die sie sagt. Sie glaubt, dass sie gewisse Dinge nicht so gemeint hat, wie sie es wörtlich(!) gesagt hat. Und wenn es dann mal etwas gibt, was sie wirklich nicht leugnen kann, fängt sie an zu schreien. Und gibt mir die Schuld daran. Ich böses, böses Kind. 

Nein, ich habe wirklich keine Lust mehr. 

Weitere „Erkenntnisse“ des Telefongesprächs: Mein Stiefvater hat immer noch keine Lust, zur Hochzeit zu kommen. Ich soll ihm doch sagen, dass mir seine Anwesenheit wichtig ist. Wie er darauf kommt, dass wir sie nicht dabei haben möchten? Als sie uns das letzte Mal hier besucht haben, sind wir immer so weit vor ihnen gelaufen, als hätten wir überhaupt keine Lust, Zeit mit ihnen zu verbringen. Ja, woher kommt das wohl? Es könnte daran liegen, dass wir wirklich keine Lust auf „heile Familie“ hatten. Meine Freundin kann meine Eltern sowieso nicht leiden – und ich verstehe sie vollkommen, dabei kommt sie generell mit fast allen Menschen irgendwie zurecht. 

 

Ansonsten gibt es nicht viele Neuigkeiten. Wir haben in einer Woche wieder einen Termin in der Kinderwunschklinik. Wahrscheinlich der letzte, bevor wir dann loslegen können 😉 

Danach wird es erst so richtig schlimm, weil wir ja noch bis Mitte März warten müssen – oder sogar noch länger, wenn der Zyklus der Liebsten mal wieder spinnt 🙂 Bis dahin müssen wir nur noch zum Notar. Und natürlich den passenden Spender aussuchen, sobald neue Spender freigegeben werden. Mit ganz, ganz, ganz viel Glück sind wir in genau einem Jahr schon Mama und Mami… 

 

Vergangenheit

So.. Es ist nun fast eine Woche her, dass ich mit meiner Mutter telefoniert habe. Seitdem gab es nichts, aber auch absolut NICHTS von ihrer Seite aus. Ich habe mich ja von meinem Stiefvater beim letzten Telefonat verabschiedet und sie gebeten, sich doch bitte Gedanken zu machen, ob sie überhaupt Lust haben, an unserer Hochzeit teilzunehmen. Hm. Keine Antwort ist auch eine Antwort.

Umso mehr ist es nun Zeit, endlich mal aufzuräumen. Und das Kapitel „Eltern“ aus meinem Leben zu streichen. Denn die Probleme gibt es nicht erst seit gestern…

Angefangen hat alles, als ich im zarten Alter von 12 Jahren das erste Mal Kontakt mit dem Jugendamt aufnahm. Das ist nun immerhin mehr als 10 Jahre her. Ich hatte fürchterliche Angst vor dem Termin, und habe deshalb meine zwei besten Freundinnen gebeten, mitzukommen. Zum eigentlichen Gesprächstermin musste ich dann aber allein – und ich erinnere mich noch zu genau, wie unglaublich aufgeregt und ängstlich ich war. Einerseits waren da die Gedanken, dass nun vielleicht endlich alles ein Ende hat. Und andererseits die unglaubliche Angst, sie würden meinen Eltern von dem Termin in Kenntnis setzen – was mich dann erwarten würde, wollte ich mir garnicht vorstellen.

Also nahm ich in dem kleinen Zimmer  im Jugendamt Platz. Der Mitarbeiter wirkte sehr freundlich und teilte mir direkt zu Beginn mit, dass er nur die „Vertretung“ wäre – für mich wäre eigentlich eine andere Mitarbeiterin zuständig: Diese hatte allerdings gerade Urlaub. Ich begann ihm also unter Tränen zu erzählen, was mein Problem war. Ich erzählte, dass meine Mutter und mein Stiefvater mich regelmäßig schlagen würden. Zudem hatte meine Mutter mich schon des öfteren in ihren „Anfällen“ bespuckt. Von den anderen Beleidigungen, die nur meine Psyche kaputt machten, habe ich damals – glaube ich – nichts erzählt. Ich dachte, die anderen Dinge würden ausreichen, um etwas zu unternehmen. Der Mitarbeiter vom Jugendamt nahm auch alles auf und versprach mir, dass sie sich darum kümmern würden. Nach etwa einer Stunde verließ ich das Zimmer wieder.

Natürlich kam alles anders: Die Mitarbeiterin von Jugendamt, die eigentlich für mich zuständig war, meldete sich nach ein oder zwei Wochen dann bei meinen Eltern. Sie bat sie um einen Gesprächstermin und verband diesen gleich mit einem Hausbesuch. Schließlich war es soweit, und es kam, wie es wohl kommen musste: Die Mitarbeiterin des Jugendamts schlug sich auf die Seite meiner Mutter und alle drei Erwachsenen zusammen stellten sich schließlich geschlossen gegen mich. Meine Mutter beteuerte, dass sie mich nur ein Mal (haha..) geschlagen hatte, und das ein absoluter Ausrutscher war. Und sie berichtete, wie unglaublich schwierig die Zeit war. Anfangende Pubertät. Bla bla. Ich hätte kotzen können. Und vor meinen Eltern traute ich mich auch nicht, ihr zu widersprechen. Ich hatte einfach zu viel Angst.

Also änderte sich natürlich erstmal nichts. Das Ergebnis war lediglich, dass meine Mutter einen einzigen(!) Beratungstermin, und zwar alleine, bei einer Erziehungsberatungsstelle in Anspruch nahm – keine Ahnung, was sie da erzählt hat (Vermutlich dass ich mich selbst verletze, anders kann ich mir nicht erklären, warum es bei diesem einen Termin blieb). Schließlich wurde ich an eine Psychologin in dieser Erziehungsberatungsstelle „weitergeleitet“ und begann dort eine Therapie. Meine Mutter betrachtete dies natürlich als Sieg, da sie schon immer behauptet hatte, dass ICH das Problem sei.

Nach etwa 2 Jahren Therapie, in der es überwiegend darum ging, mit den Problemen zu Hause umzugehen und Situationen so zu beeinflussen, dass es zu keinen Eskalationen mehr kam (ich wurde trotzdem noch etwa alle 2-4 Wochen verprügelt, aber immerhin ein Fortschritt…Haha…) hatte die Psychologin schließlich genug: Sie hielt es nicht mehr aus, wie sehr ich unter der Situation leiden musste, und informierte das Jugendamt erneut. Mir erzählte sie später, dass sie dem Jugendamt „durch die Blume“ mitteilte, dass ich sexuell von meinem Stiefvater belästigt wurde – das war zwar falsch, aber sie hatte bereits Erfahrung mit dem Jugendamt und meinte, dies wäre der einzige Weg, aus meiner Familie herauszukommen. Zwischenzeitlich, also innerhalb dieser zwei Jahre Therapie, wohnte ich übergangsweise auch für etwa 5 Wochen bei meiner Tante, um „Abstand“ zu gewinnen – vorgeschlagen von meiner Psychologin und dankend angenommen von allen Beteiligten. Aber so richtig dauerhafte Besserung brachte dies natürlich nicht, und für immer konnte ich auch nicht dort bleiben.

Ab dem Anruf beim Jugendamt, bei dem ich direkt neben meiner Psychologin saß, ging es dann ganz schnell: Das Jugendamt kümmerte sich im eine Pflegefamilie und schon nach etwa 2 Wochen und ewigen Diskussionen mit meiner Mutter, deren Zustimmung das Jugendamt brauchte, „durfte“ ich dahin umziehen. Zur Pflegefamilie gibt es weiter nichts zu sagen: Es war ein Ehepaar, das höchst katholisch und gläubig war. Zudem war die Familie etwa 50 Kilometer entfernt, und ich musste die Schule wechseln. Dort kam ich überhaupt nicht zurecht, und richtig „warm“ wurde ich mit der Familie auch nicht. Dazu muss ich sagen, dass ich mich damals in der Gothic-Szene bewegte – meine Pflegefamilie dachte, ich wäre ein unglaublich schlimmer Satanist und so richtig verstehen wollten sie mich sowieso irgendwie nicht. Vielleicht lag es auch daran, dass ich wirklich schwer Vertrauen gegenüber Erwachsenen aufbauen konnte.

Also kam es, wie es kommen musste: Die Pflegefamilie war absolut nicht einverstanden mit meinem Lebensstil und die Streitigkeiten wurden immer größer. Dazu kam noch, dass ich meine alten Freunde, gerade in dieser schweren Zeit, nicht sehen konnte und durfte: Die einzige Busverbindung zu meiner „alten“ Stadt ging kurz nach Schulschluss, und anders kam ich nicht mehr zurück zum Wohnort der Pflegefamilie. Also zerbrach auch diese „Chance“ für mich, und gipfelte darin, dass die Pflegefamilie mich als „Schlampe“ und „dreckiges Weib“ beschimpfend herauswarf. Ich informierte meine Mutter, die mich dann schließlich mitten in der Nacht dort abholte – was hätte ich auch anderes tun sollen? In den nächsten Tagen informierten wir dann das Jugendamt und ich musste wieder bei meiner Mutter bleiben. War mir mittlerweile auch egal – ich konnte einfach nicht mehr. Das war so ziemlich der Tiefpunkt, an dem ich keine Kraft mehr hatte.

Die Probleme bei meinen Eltern waren natürlich nicht über Nacht verschwunden, also ging es mit Schlägen, Beschimpfungen und Erniedrigungen weiter. Ich ließ eine Zeit lang einfach alles über mich ergehen, und versank immer mehr in Depressionen und Selbstverletzung. Nach einiger Zeit schritten meine beiden besten Freundinnen, die mich seit der 6. Klasse durch alles begleitet hatten, dann ein. Also klammerte ich mich an die Hoffnung, es nur noch 1 Jahr (mittlerweile war ich 15) aushalten zu müssen. Mit 16 wäre ich mit der Schule fertig gewesen, und hätte dann – irgendwie – weg gekonnt. Das war also mein großes Ziel, und ich versuchte, einfach durchzuhalten. Irgendwann eskalierte die Situation zu Hause wieder, und ich konnte einfach nicht mehr. Ich packte nachts meine Sachen, ging zur Bushaltestelle hinunter und versteckte dort eine gepackte Reisetasche, ging wieder nach Hause, wartete und wartete und ging schließlich ganz regulär morgens aus dem Haus, um angeblich zur Schule zu gehen. Unten an der Bushaltestelle angekommen nahm ich meine Reisetasche, stieg in den Bus, fuhr zum Hauptbahnhof und stieg in einen Zug: Ich hatte im Internet zwei Jahre zuvor ein Mädchen kennengelernt, das über 200 Kilometer entfernt lebte. Am Abend zuvor hatte ich sie informiert, dass ich vorbeikommen möchte (Eigentlich war das erst in den Ferien, die 4 Tage später anfingen, geplant) und verschwand einfach ohne Nachricht. Ich kam dort nachmittags an, und mittlerweile hatte meine Mutter auch festgestellt, dass ich nicht aus der Schule zurück war.

Am nächsten Tag teilte ich meiner Mutter dann mit, wo ich war, und dass ich NICHT nach Hause kommen werde. Ich hatte sowieso bald Ferien, und schließlich war ich dann insgesamt etwa 2 1/2 Wochen weg. Als ich wiederkam, hoffte ich auf eine Einsicht: Aber nein. Ich wurde wirklich schlimm geschlagen und bekam am ganzen Körper blaue Flecken. Meine Mutter nahm erst ihre Hände, um auf mich einzuschlagen. Ich lag auf meinem Bett. Dann holte sie eine kleine Fußwanne aus Plastik, und schlug damit auf mich ein bis diese zerbrach. Sie setzte sich auf mich und schlug immer weiter, und ich schrie. Meine Mutter hatte schon auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause meinen (leiblichen) Vater informiert, der etwa 15 km entfernt wohnte und den ich bis dahin nicht wirklich kannte, er solle mich sofort abholen. Sie würde es mit mir nicht mehr aushalten. Endlich kam er dann auch, und nahm mich mit – es war mittlerweile mitten in der Nacht. Ich wollte nur noch sterben.

Ich wohnte dann 4 Monate bei ihm, danach wieder 2 Monate bei meiner Mutter und schließlich, letztendlich, zog ich aus. In eine Stadt, die fast 200 Kilometer weit weg war. Und ich war endlich glücklich.

Genug für heute.

Ich darf feierlich verkünden:

P1090348

War auch mal langsam Zeit! Immerhin landen wir jetzt nicht in der Hölle, nur weil wir uns lieben 😀

Nach 22 (bei mir) bzw. 23 (bei meiner Freundin) Jahren sind wir heute aus der Kirche ausgetreten. Die Dokumente sind auf fürchterlich dünnem Papier gedruckt und man soll sie das ganze Leben lang aufbewahren, um sich vor eventuellen Steuerrückzahlungsforderungen zu schützen. Finden wir zwar etwas seltsam… Aber naja.

Dafür war der Besuch beim Amtsgericht wirklich, sagen wir mal, spannend. Als wir in das Gebäude traten, kam uns ein leicht dümmlich und ungepflegt wirkender junger Mann entgegen, der lauthals auf das „Justizsystem“ schimpfte. Da war es dann kein Wunder mehr, dass wir direkt nach Betreten des Gebäudes komplett durchsucht wurden. Zuerst wurde der Ausweis verlangt, danach wurde meine Tasche durchsucht. Und dann mussten wir noch durch so ein Sicherheits-Dingens (Metalldetektor), wie man es vom Flughafen oder auch vom Bundestag kennt.

Sowas, nur in echt:

1234812018_playmobil_security_news

Danach wollte uns ein Mitarbeiter, der auf uns zukam, erst mal veräppeln. Er meinte, dass es so kurz vor Weihnachten nicht mehr möglich ist, aus der Kirche auszutreten. Und nach allem, was wir hier an Ämtern und Behörden schon erlebt haben, haben wir ihm das dann auch geglaubt, auch weil er so vehement darauf bestanden hat… Letztendlich hat sich das als Scherz erwiesen und er erklärte uns, in welche Richtung wir gehen müssen. Nachdem wir uns dann erstmal verlaufen haben, haben wir den Raum dann endlich gefunden, eine Wartemarke gezogen und sind auch direkt drangekommen. Und das wars dann eigentlich schon. Es ging echt schnell, und nun sind wir glückliche Nicht-Kirchenmitglieder. Juuuuhuuuuu!

Telefongespräch

Gestern hat meine Mutter es sich endgültig verscherzt. Wir haben mal wieder telefoniert und ich habe ihr mitgeteilt, dass wir nun an unserer Hochzeit in „Tanz der Vampire“ gehen werden. Nachdem sie dann erst einmal anmerken musste, wie doof sie die Idee nach wie vor findet und ob wir „das denn immer noch wollen“, woraufhin ich ihr natürlich gesagt habe, dass wir das auf jeden Fall machen werden, rückte sie letztendlich damit heraus: Mein Stiefvater würde ja keine Lust haben, überhaupt zu kommen. Daraufhin habe ich erst einmal aufgelegt.

Kurz darauf hat sie dann nochmal angerufen, und meine Freundin ist dann rangegangen und hat ihr mal die Meinung gesagt. Sie hat meiner Mutter an den Kopf geworfen, dass sie es schafft, mich wirklich NUR unglücklich zu machen. Und dass sie jetzt NICHT mit mir reden kann, weil ich gerade am heulen bin. Daraufhin ist meine Mutter leicht angesäuert gewesen und hat sich wahrscheinlich überlegt, wie sie sich am besten aus der ganzen Sache „herauslügt“ – das macht sie nämlich zu gerne, wenn es keine andere Möglichkeit gibt. Also meinte sie, dass ich ja wohl selbst schuld bin, weil ich ihr ja keine Möglichkeit gegeben habe, auszureden.

Wir haben dann erstmal einen Spaziergang gemacht, um noch eine DVD zurückzubringen und uns ein bisschen zu beruhigen. Als wir wieder zurückkamen, hat meine Freundin erst einmal mit ihrer Mutter telefoniert. Danach habe ich meine Mutter angerufen. Ich hasse es, solche Dinge im Raum stehen zu lassen. Und sie hätte sich sowieso nicht mehr gemeldet. Dann kamen natürlich die lang erwartete Ausreden – oder auch das berühmte „Rauslügen“, um doch am Ende mich als die „Böse“ dastehen zu lassen (Ich böses Kind hatte ja aufgelegt, ohne mich zu verabschieden).

Sie meinte also „Du hast mich ja nicht ausreden lassen, ich wollte ja sagen, dass dein Stiefvater nur keine Lust hat viele Tage VOR der Hochzeit schon zu kommen“ (Anmerkung der Autorin: DAS HATTE ICH NIE VERLANGT! Das war noch nicht einmal Thema bei unserem ursprünglichen Gespräch!) Aber ich hatte sowas ja schon erwartet. Also bat ich sie, meinen Stiefvater ans Telefon zu holen. Er ist nämlich Türke und hatte garantiert nicht direkt verstanden, was sie zu mir gesagt hat (Auch, weil es ihn wahrscheinlich nicht interessiert). Sie holte ihn dann wohl oder übel ans Telefon und ich begann ihn auszufragen, ob er denn Lust hätte, zu kommen. Nach einem kurzen Zögern sagte er dann, dass er überhaupt keine Lust hätte, GENERELL zu unserer Hochzeit zu kommen (Wusst ichs doch!). Weil er ja auch keine Lust hätte, in „das Kino – äh, ja, also, euer Musical da“ zu gehen. Nunja… Diskutieren mit ihm hat da keinen Sinn, deshalb hab ich das einfach so stehen lassen. Danach hab ich noch ein bisschen mit ihm geredet, und letztendlich sind wir dann so verblieben, dass sie sich doch bitte zusammensetzen sollen, um zu entscheiden, ob sie Lust haben, bei unserer Hochzeit dabei zu sein. Und ich habe betont, dass sie zu Hause bleiben sollen, wenn sie sowieso keine Lust haben (Das hat er auch verstanden, weil ich es öfter gesagt habe. Das ist nicht böse gemeint, aber ihm muss man viele Dinge öfter sagen, damit er sie versteht.). Er hatte nämlich immer wieder gesagt, dass sie ja kommen würden, wenn wir darauf bestehen – aber das wollen wir natürlich nicht. Wir zwingen niemanden, bei unserer Hochzeit anwesend zu sein.

Hier die Punkte, die mich an der ganzen Sache stören, in Kürze:

1. Warum sagt meine Mutter überhaupt, dass mein Stiefvater keine Lust hat? Würde eine „gute Mutter“ nicht eher ihrem Mann eins auf den Deckel geben und ihn dazu zwingen, mitzukommen? Statt der Tochter so etwas zu sagen? Im Normalfall möchte eine Mutter doch die Hochzeit ihrer Tochter miterleben – das gibt mir nicht gerade das Gefühl, dass ihr irgend etwas daran liegt.

2. Sie lügt. Ständig. Immer. Nur um selbst möglichst gut dazustehen. Ich kann ja nachvollziehen, dass mein Stiefvater keine Lust auf unsere Hochzeit hat – er ist keineswegs mein Vater und ich habe auch nicht viel mit ihm zu tun. Ich mag ihn einfach nicht, und er mich nicht. Aber das ist ok – ich muss ja nicht mit ihm zusammen sein. Aber warum muss meine Mutter dann lügen? Warum kann sie nicht entweder a) schweigen und ihn zu Hause lassen oder b) in einer ruhigen Minute (!) die Wahrheit sagen? Dazu gehört FÜR MICH aber auch, dass sie selbst trotzdem gern zu unserer Hochzeit kommen möchte und mir das im gleichen Atemzug auch ausdrücklich sagt – wie gesagt: Wenn mein Stiefvater keine Lust hat, verstehe ich das. Aber sie ist meine MUTTER. Und ich finde es echt traurig, dass sie anscheinend NICHT kommen möchte.

3. Mich immer als böses Kind darzustellen. Das hat lange Tradition: Sie schlägt mich – ich bin natürlich schuld, weil ich sie provoziert habe. Aha. Bedarf keiner weiteren Erklärung, weil: Einfach bekloppt.

Ich hab ehrlich gesagt keine Lust mehr. Am liebsten würde ich sie garnicht einladen. Aber dann wäre ICH ja wieder der Ober-Bösewicht. Und auf die Rolle hab ich auch keine Lust. Andererseits möchte ich mir auch unseren Hochzeitstag nicht von ihren dämlichen Kommentaren verderben lassen, falls sie dann doch kommt. Vielleicht sind wir tatsächlich so individuell und anders bei unserer Hochzeit, dass ich einfach NIEMANDEN aus meiner Familie einlade. Wäre doch auch mal was Neues… Denn verdient hat sie eine Einladung nach allem, was sie sich bisher geleistet hat, garantiert nicht.

So… Sorry für den Schreibstil, und für die Verwirrungen, und die fehlenden Absätze… Wer nicht lesen will, muss auch nicht 😉