Gefühle. Gedanken. Alltag. Oder nicht?

Es ist unheimlich schwer gerade. Gedanken. Gefühle. Viel. Viel zu viel? Die letzten Tage waren psychisch nicht einfach für mich. Und ja, ich weiß, es werden dutzende Kommentare kommen, wie ich denn überhaupt und sowieso dieses und jenes sagen kann und fühlen kann und vermutlich werden wieder Hinweise kommen, man könnte ja mal die Kinderwunschklinik informieren oder das Jugendamt. Wisst ihr was? Macht doch.

Trotzdem werde ich hier ehrlich sein. Schonungslos. Was sonst hätte es für einen Sinn?

Also zurück zum Thema. Es ist nicht immer leicht. Natürlich nicht. Ich habe unendliches Glück mit den Leuten, die um mich herum sind. Die Menschen, die mich auffangen. Da sind. Sonst hätte ich es wohl nur schwer geschafft, hier zu sitzen; genügend Klarheit im Kopf zu haben, um dies zu tippen. Was mich die letzten Tage, Wochen begleitet? Alte Dämonen. Definitiv. Was das konkret bedeutet? Es kommen leider Themen hoch, die sehr, sehr tief in mir vergraben schienen. Vieles. Kleine Szenen aus dem Alltag. Meiner Kindheit. Jugend. Nicht schön, ja. Nicht lustig.

Leider hat das Ganze natürlich auch Auswirkungen auf mich, auf mein Leben, auf unseren Alltag. Ich bin nicht mehr ganz so belastbar. Brauche plötzlich Dinge, die ich vorher nicht gebraucht habe. Ruhe. Zeit für mich. Pausen. Zeit, um mit meiner Freundin zu reden – die mich einfach fast immer versteht, ohne dass ich viel erklären müsste. Die einfach da ist. Und das ist so unglaublich toll und hilfreich…

Und nicht zuletzt – allein der Alltag gerade weckt Dämonen. Wirklich. Ich hatte lange Zeit in meiner Jugend echt massiv zu kämpfen, mit Mager.sucht und Selbst.verletzung. Tja… Ich denke, es reicht, wenn ich sage: Ich muss kämpfen. Um nicht völlig in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Um mich nicht völlig zu verlieren. Gerade gleicht es eher einem Seiltanz; ich muss mich extrem vorsichtig bewegen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Schutz gegen Dinge, die von Außen an mich herangetragen werden und mit denen ich irgendwie umgehen muss? Schwierig. Extrem schwierig. Und leider ist gerade das momentan massiv Thema in meinem Leben. Und mein Bedürfnis nach Ruhe, nach „normalem“ Alltag ohne Drama wird immer größer…

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17 Kommentare zu “Gefühle. Gedanken. Alltag. Oder nicht?

  1. Ich kenne dich nicht und kann daher nichts schreiben, dass dir wirklich helfen könnte. Aber ich möchte, dass du weißt, dass es hier draußen Menschen gibt, die dich nicht verurteilen und dir einfach nur Gutes wünschen. Deine Kindheit und Jugend war offenbar nicht schön, aber du bist als ein wertvoller Mensch daraus hervor gegangen. Du kannst Liebe schenken und ein Familienleben planen. Leider ist das Leben manchmal hart und fast jeder kennt die Schattenseiten. Ich wünsche dir erfolgreiches Kämpfen und euch allen starke Nerven. Mögen die Friede-Freude-Eierkuchen-Tage nicht lange auf sich warten lassen.

  2. Obwohl ich eine wundervolle Kindheit und Jugend hatte und bei mir alles immer mehr oder weniger prima läuft, kann ich deinen Wunsch nach Dramenfreien Tagen, Alltag und Ruhe so gut nachvollziehen. Halte durch. du hast so viele gute, süße, wundervolle und niedliche Gründe um dich herum für dich es sich lohnt zu kämpfen und durchzuhalten.
    Ich habe mich gerade heute mit meinem Mann drüber unterhalten, wieviele Leute in die Verhaltensmuster ihrer Kindheit bzw. ihrer Eltern zurückfallen und damit meine ich nicht die guten Eigenschaften. Du hast schon so viel geschafft, weil du anders bist. Und genau das ist gut so! und wenn andere Leute dich verurteilen, dann lass sie reden. Die meisten sind doch eh nur neidisch 🙂. Und wie Horst Krause immer sagt:“ Kopf hoch auch wenn der Hals dreckig ist.“

  3. Ich finde es sehr mutig von dir/euch, dass ihr so ehrlich zu euch selbst seid und das auch öffentlich vertretet. Ich könnte es ehrlich gesagt nicht, da ich ein Mensch bin, der (leider noch immer viel zu) viel Wert legt auf die Meinung anderer. Auch wenn ich 100 % meinen Weg gehe, so ist es für mich sehr schwer Kritik an diesem Weg wegzustecken. Hut ab!!

    Bezüglich deiner Vergangenheit: Auch hier kann ich 120% verstehen wie du dich fühlst. (10 Jahre Magersucht und 7 Jahre Bulimie sind auf meinem Konto) Und man geht durch die Hölle und zurück. Man wünscht diese Krankheiten nicht mal seinem schlimmsten Feind. Umso beachtlicher, dass du raus gefunden und viele liebe Leute um dich gefunden hast. Wenn ich in meinen fast 20 Jahren Krankheit etwas gelernt habe, dann, dass man einen Rückfall in alte Muster bekommt wenn etwas nicht passt. Wenn es unrund läuft und man sich gegen diese Wahrheit mit allen Mitteln wehrt. Den einzigen „Coping Mechanismus“ den man hat, ist ein sehr vertrauter. An sich selbst zweifeln, sich selbst Schaden und sich zurückziehen.

    Gerade aus diesen vielen Gründen wünsch ich dir vor allem: Klarheit und Zuversicht. Dass du ehrlich zu dir selbst sein kannst, was auch immer die Konsequenzen daraus sind. Denn noch einmal diesen Weg gehen zu müssen wäre mehr als hart. Vielleicht denkst du dir gerade: Wovon die schon wieder redet….eventuell fühlst dich aber auch wo angesprochen.

    Steig vom Gas, schau in dich und such den Auslöser, der dich wieder so zurückfallen lässt. Es ist es nicht wert, das Leben zu überhasten und dann total überfordert wieder in alte Muster zurückzufallen. Denn dafür hast du bereits viel zu viel geschafft und ich hoffe, du kannst weiterhin bergauf gehen.

    • Dass etwas nicht passt weiß ich, ich seh ganz deutlich wo die Probleme liegen – aber es liegt nicht in meiner Hand, zu einem Teil zumindest. An manchen Dingen kann ich schlicht und ergreifend nichts ändern. Die sind einfach so.

      Klar bin ich – total. Ich seh alles genau so, wie es ist. Nicht schön, wenn man quasi mit offenen Augen gefühlt ins Messer läuft :/ Und ich bin wahnsinnig dünnhäutig geworden. Nicht gerade hilfreich… Was übrigens der Grund ist, weshalb ich in letzter Zeit hier oft schnippisch rüberkomme. Es ist einfach… Naja. Ich fühle mich wahnsinnig leicht persönlich angegriffen gerade, zweifle dann an mir selbst… Unschöner Teufelskreis.

      Ich würde liebend gerne was ändern, aber die wirklich belastenden Dinge liegen gerade nicht wirklich in meiner Hand. Leider. Mh…

  4. Wir kennen uns nicht und trotzdem sprichst du mir so dermaßen aus der Seele. Wenn ich doch nur könnte oder wüsste wie – ich würde dir so gerne helfen.
    Wenn du nicht willst brauchst du nicht darauf antworten, aber geht es dir manchmal auch so dass du dich darüber aufregst wenn fremde Menschen sich berufen fühlen auf das „Wohl“ eurer Kinder zu achten, wie du eben beschrieben hast die KiWu Klinik oder das JA anrufen wollen? Manchmal frage ich mich was diese Leute glauben was eine Kinderwunschklinik ist. Das.Ist.Keine.Adoptionsagentur! Man muss kein Eignungsverfahren durchlaufen um da behandelt zu werden! Das Jugendamt wird auch nicht einschreiten nur weil die Wohnung nicht aufgeräumt ist, volle Körbe mit schmutzigen Stoffwindeln in der Waschküche stehen (ist manchmal bei uns der Fall, da gab’s auch schon so Äußerungen) oder Eltern in einer polygamen Beziehung leben. Aber wenn man an die eigene Kindheit zurückdenkt hat jeder unsere wirklich ungerechten und unfähigen Eltern gesehen und einfach machen lassen? Es waren ja Mutter und Vater…

    • Nein, ehrlich gesagt ist mir ziemlich egal, was andere Leute im Bezug auf mein Leben denken. Schon lange. War anders garnicht möglich… Aber trotzdem danke für deinen Kommentar. 🙂

  5. liebe munis, lass die kommentatoren nur reden. bleib bei deinem weg. ich wünsche dir alles gute. schlaf gut.

    tonia

  6. Liebe Munis,

    ich denke, wenn man selbst offen und ehrlich berichtet, bleibt es nicht aus, dass andere Menschen, die das lesen, sich Gedanken machen und diese auch offen und ehrlich äußern möchten. Natürlich sollte das immer respektvoll geschehen.
    Ich finde es vollkommen nachvollziehbar, dass man sich, gerade wenn man die Posts der letzten Monate so durchliest, Sorgen macht – zumal ja das Schicksal kleiner Kinder dran hängt. Dagegen kann man sich ja auch nicht wehren – das macht man nicht absichtlich, um euch zu ärgern. Am hilfreichsten ist es da sicher, die Sorgen anderer Menschen ernst zu nehmen und sie argumentativ zu entkräftigen, statt sie ab zu tun mit: „Es gibt aber gar keine Probleme!“ (Und dann aber sofort im nächsten Post dann wieder über welche zu berichten). Ich finde manches einfach so widersprüchlich, vielleicht kannst du mir ja erklären, wie du das anders siehst:
    Zum Einen sehnst du dich nach Ruhe und dramafreiem Alltag, zum Anderen startet ihr in eine neue Kinderwunschbehandlung, die ja durchaus „Drama“ bedeuten kann. Ene weitere Schwangerschaft wird ja auch nicht mehr Ruhe bringen, es kann gut sein, dass deine Frau unter Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit, Butungen etc leidet. Dann wirst du kaum mehr Zeit für dich haben, weil du sehr vieles erstmal alleine wuppen musst. Ich frage mich ja jetzt schon, wo du die Zeit für eine zweite intensive Beziehung hernimmst, ohne, dass dafür Familienzeit oder Kinderzeit oder Paarzeit geopfert werden muss. Wie du das alles unter einen Hut bringen willst, wenn deine Frau nicht mehr so belastbar ist, frage ich mich einfach unweigerlich.
    Dazu kommt, dass du schreibst, du bist nicht mehr so belastbar. Da frage ich mich, warum man sich aktuell einer weiteren Belastung stellen will? Ob man das überhaupt kann? Du schreibst, Bulimie und selbstverletzendes Verhalten spiel(t)en eine Rolle, du hattest eine traumatische Kindheit. Da muss ich sofort an schwerwiegende psychische Erkrankungen, die damit in Verbindung stehen, denken. Ich will nicht sagen, dass du eine davon hast, sondern einfach nur, dass das alles vielleicht die Spitze eines Eisberges ist, und die Arbeit an dir einfach langwierig und kräftezehrend sein kann bzw. wird. Aber natürlich auch immens wichtig. Sie sollte nicht verdrängt oder verschoben werden, weil plötzlich einfach keine Zeit mehr dafür ist.
    Ich sehe einfach aktuell viele Baustellen, die du hast:
    1. Eine Beziehung zu deiner Frau, die einen „ordentlichen“ Knacks hat, wie du selbst geschrieben hast.
    2. Eine sehr neue Lebenssituationen mit einer weiteren Partnerschaft.
    3. Zwei eher anstrengende sehr kleine Kinder, die sehr viel Aufmerksamkeit brauchen und häufig krank sind.
    4. Viele Unsicherheiten und eine unklare Zukunft, z.B. weil deine Frau nicht weiß, ob sie überhaupt weiter studieren will, aber auch, wie sich eben die Beziehungen weiter entwickeln werden…
    5. Eine enorme psychische Belastung, die dich täglich hart kämpfen lässt.

    Ich finde, das sind viele gute Gründe, sich erstmal auf all die anstehenden Aufgaben zu konzentrieren und nicht sofort ein 3. Kind zu bekommen, das alles ja nicht einfacher und unkomplizierter machen, dir zu mehr Ruhe und Gelassenheit, weniger Drama, mehr Alltag, einer stabileren Beziehung und zur Lösung deiner psychischen Probleme führen wird. Kinder brauchen starke Eltern, die psychisch stabil sind, und ihnen volle Aufmerksamkeit schenken können. Dagegen ist doch vollkommen nebensächlich, wieviele Monate der Altersabstand zwischen ihnen beträgt, jeder Abstand hat seine Vor- und Nachteile.
    Und das meine ich keineswegs böse, sondern ich mache mir einfach Sorgen, dass euch das alles über den Kopf wachsen wird und am Ende alle unglücklich sind.

    Ich wünsche dir viel Kraft für die anstehenden Aufgaben und hoffe, dass du dich nicht übernimmst, sondern alles in den jeweiligen Prioritäten bearbeiten und gestärkt daraus hervorgehen kannst.

    • Du hast genau das in Worte gefasst, was mir schon länger durch den Kopf geht aber irgendwie nicht in Worte fassbar war.

    • Alles was du in dem post geschrieben hast geht mir auch durch den Kopf, gut formuliert – auf sachebene – aus meiner Sicht eine gute Ausgangsbasis zum durchdenken …

      • Die Gedanken haben wir uns gemacht und eine Lösung für uns gefunden. Wir werden jetzt erstmal weitermachen wie geplant, und wenn meine Frau in „dem“ Zyklus mit Embryonentransfer dann noch Bedenken hat, darf sie bis zum Auftau ihr Veto einlegen und wir legen das erstmal auf Eis… War für mich ein guter Kompromiss, denn ich bin hoffnungslos optimistisch was meinen psychischen Zustand angeht 😀

  7. Ich kann das gut nachvollziehen. Hatte zwar eine überwiegend schöne und erfüllte Kindheit, aber eine schwierige Pubertät, was sich auch ins junge Erwachsenenalter zog. Anorexie und Depressionen waren/sind seit fast einem Jahrzehnt meine Begleiter. Aber ich hatte das Glück einen Menschen zu finden, der mich so akzeptiert, liebt und unterstützt wie ich bin. Auch ich habe immer wieder dunkle Zeiten, wo mich meine Depression einholt. Aber bisher hat sie mich nicht dauerhaft runterziehen können, dank Partner, Familie, Freunden. Es ist ein mehr oder weniger normales Leben mit Partnerschaft, Familie und Beruf möglich! Du hast ebenso tolle Partner, Kinder, Freunde. Halt dich daran fest!! Ihr/Du machst das toll! Und eure Kinder werden mal sagen, dass ihre Kindheit wunderschön und erfüllt war mit Eltern die präsent sind, sich um ihre Bedürfnisse und Wünsche kümmern!!

    • Ja, ich habe von diesen Menschen sogar zwei… Mh. Gerade hilft es natürlich, ja, aber auf Knopfdruck wieder alles gut machen geht leider nicht. Kämpfen werde ich immer, jederzeit, ich habe deutlich mehr als eine handvoll gute Gründe dafür. 🙂

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