Bedürfnisse.

Es ist gerade einfach emotional enorm schwierig. Ich habe das Gefühl, dass sich dringend irgendetwas ändern muss. Habe das Gefühl, dass meine Bedürfnisse permanent unerfüllt bleiben. Dazu der enorme Druck der IVF und die Nächte… Jede verdammte Nacht träume ich die schlimmsten Dinge, die mein Unterbewusstsein so zu bieten hat. Spielt mit meinen Ängsten, zeigt mir widerliche, traurige, die Seele zerfetzende Dinge. Oft kann ich mich am nächsten Morgen nicht mehr wirklich erinnern, weiß nur, dass es furchtbar war und ich fühle mich gerädert…

So darf es nicht weitergehen. Ich kenne diese schlechte-Träume-Phasen schon zu gut, mit dem einzigen Unterschied… Bisher war ich dabei kinderlos und konnte problemlos “durchhängen“, wenn ich einfach nur müde war. Tja… Und nun kommt dazu, dass ich mich eh schon kraftlos fühle, weil ich schlicht und ergreifend zu wenig Nahrung zu mir nehme. Woran ich aber gerade kopfmäßig auch nichts ändern kann.

Ich will doch einfach nur wieder gesund und durchschnittlich verrückt sein. Entspannt mit der IVF umgehen können. Loslassen, was die Gedanken um Essen/Nicht-Essen und Gewicht angeht. Endlich mal wieder etwas Stille im Kopf. Ja, hätte was…

 

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Müde, erschöpft.

Wo soll ich anfangen? Ich weiß es nicht. Es würde vermutlich helfen, wenn ich in Worte fassen könnte, was momentan überhaupt los ist. Tja… Aber einen Versuch ist es wert.

Wir sind an Stimulationstag 2 – in einer Stunde wird also die zweite Spritze zur Stimulation gesetzt. Ich wünschte, ich hätte gerade emotional die Verfassung, mich richtig und intensiv darüber zu freuen… Aber es ist einfach gähnende Leere. Ich fühle fast nichts, bin irgendwie so wahnsinnig abgestumpft…Ich habe absolut keine Ahnung, mit wem ich darüber sprechen kann, denn das zweite Problem – Zeit fehlt an allen Ecken und Enden gerade. Jeden Tag ist irgendwas Neues, was absolut dringend jetzt sofort sein muss und es schlaucht so unendlich… Ich hoffe, nach der Punktion, nach Ende August (wenn wir dann die alte Wohnung „los sind“) ist das besser. Aber ich vermute eher nicht.

Immerhin für die Kinder kann ich voll und ganz da sein. Gefühlt besser als je zuvor… Es war seit Monaten ein langer Prozess und ich bin nun tatsächlich viel gelassener (wir waren vorher auch schon entspannt, so ist es nicht… 🙂 ). Kann mit Stress besser umgehen, ertrage es besser, wenn die Kinder mal wieder brüllen weil… Und kann sie dabei meistens vernünftig begleiten, da sein, ohne in die Schiene „nervt doch nicht“ abzurutschen.

Essen ist nach wie vor ein eher schwieriges Thema. Essen bzw. Nicht-Essen ist wohl einfach gerade Kompensation. Ausgleich. Für den psychischen Druck der IVF; dem nicht vernünftig verarbeiteten Kryo-Versuch, bei dem unsere beiden letzten Eisbärchen nicht aufgewacht sind; meine Bedürfnisse, die gerade oft einfach untergehen; dem Umzug, den ich endlich mal abgeschlossen haben will; der „neue“ Alltag mit einem Kind in der Schule, einem in der KiTa, (noch) drei zu Hause; und tausend Kleinigkeiten, die wir erledigen müssen und vielem „in der Luft hängen“… Schwierig. Ich weiß dafür momentan auch keine Lösung. Versuche, einen Mittelweg zu finden, doch irgendwie… Es hakt momentan einfach massiv an der realitätsgetreuen Selbstwahrnehmung. Oder, um es einfach auszudrücken: Ich sehe im Spiegel die 13 Kilo, die es seit etwa Ende Mai weniger sind, absolut nicht. Und logischerweise sagt die rationale Stimme in meinem Kopf, dass das verdammt gefährlich und bescheuert ist… Es schlaucht. Auf der einen Seite die rationalen Gedanken, dieses… Hey, so schwer kann’s doch echt nicht sein. Und auf der anderen Seite – tja. Dort stehen Dinge, die bisher absolut niemand erfahren hat.

Mediprobleme…

ZT 1 kam überraschend am Sonntag schon und nun… Brauchen wir wohl Dienstag morgens Medis zum Stimulieren, bekommen „unsere“ aber erst Dienstag abends.

Ganz konkret fehlt nun eine Dosis (150 IE) Menogon/Menopur, für Dienstag früh. Montag wird meine Frau in der KiWu nachfragen, ob sie dort evtl. noch Restbestände davon lagern haben. Mh… Sonst müssten wir das Rezept hier in Deutschland einlösen und das doppelte zahlen, als wir Dienstag in CZ für die Medis zahlen würden.

Jemand eine Idee? 😀

Gedankenexplosion.

… An dem Tag, als der Transfer abgesagt wurde, ist irgendwas in mir kaputt gegangen. Ich weiß es nicht. Es schlägt sich massiv auf meine Stimmung nieder. Ich bin unsicher, es wirft mich zurück. Ich klammere mich extrem an die Menschen, die ich liebe, drehe kopftechnisch durch, wenn ich Zeit zum Nachdenken habe (dass ich gerade allein bin, muss ich nicht erwähnen? Ist ein extrem seltener Zustand, ich weiß schon warum…). Es ist schwierig. Ich bin enorm empfindlich, denke über „kritische“ Aussagen stundenlang nach, meine Gedanken drehen sich im Kreis und doch komme ich auf keine Lösung, finde keine Antwort. Und ja, „kritische“ Aussagen passieren etliche Male täglich, weil ich jede einzelne Aussage in ihre Einzelteile zerlege und drehe und wende… Klingt geschrieben schon anstrengend, in meinem Kopf ist es einfach nur … Ich weiß nicht. Manchmal fühlt es sich an, als würde eine Sicherung durchbrennen und die Gedanken schwirren frei in meinem Kopf rum und die Gedanken sind so laut, so unglaublich laut und wirr und… Anstrengend. Es ist anstrengend. Und ich kann absolut nichts dagegen tun.

Es sind nun 12 Tage. Und es wird nicht besser. Es wäre so einfach, wenn es nur weh tun würde, ich heul ein wenig rum und dann ist’s wieder okay. Aber so ist es leider nicht… Ich bin abgestumpft, irgendwie. Ziehe mich emotional raus. Zurück. Schließe die Gedanken weg und trotzdem sind sie da. Kann nicht darüber reden – denn was gibt es schon zu sagen? Es ist, wie es ist, wie es ist… Und ich kann’s nicht ändern.

Ich bin absolut hilflos und weiß nicht, was ich tun soll. Finde keinen Weg da raus. Essen ist wieder ein schwierigeres Thema geworden, Selbstwahrnehmung tendiert gerade wieder in Richtung „schrecklich, es muss sich was ändern“. Nachdem es jetzt verhältnismäßig lange echt okay war. Insgesamt sind es seit Ende Mai nun etwas über 12 Kilo weniger. Und Selbstverletzung… Meistens ist es echt okay. Verschwende daran kaum einen Gedanken. Umso überraschter war ich, als ich heute urplötzlich Bilder im Kopf hatte, von Blut, das einfach nur meine Arme hinunterlief… Und es war echt verdammt beruhigend, auf eine merkwürdige Art und Weise. Aber es ist definitiv keine Option, zumal mein Kopf genau weiß, dass es nichts bringt. Mir nichts bringt. Ich so oder so keinen Schmerz dabei empfinden würde und es grundsätzlich zu viel kaputt machen würde, zu viele Menschen verletzen würde. Die letzten Schnitte sind über 3 Wochen her, erklärt habe ich die Hintergründe dazu nur Tina – vor allen anderen habe ich die Schnitte (am Unterarm) versteckt, bis vor wenigen Tagen. Und das war einfach anstrengend. Und zumindest meiner Frau bin ich noch eine Erklärung dazu schuldig…

Es ist jetzt nicht so, dass ich permanent depressiv in der Ecke hänge oder so. Es gibt durchaus Momente/Stunden/… in denen alles wieder okay ist. Aber dann kommt EINE Sache, EIN Wort, EINE Aussage… Und es ist vorbei. Es wird gefühlt einfach ein Schalter umgeschmissen und es legt sich ein Schleier über meine Gefühle, ich ziehe mich zurück, bin irgendwie extrem leicht zu verletzen. Was wieder dazu führt, dass es mir schlecht(er) geht… Teufelskreis.

Pläne, Gedankenchaos…

… und so.

Gestern hatten wir den Termin in der Kinderwunschklinik zur Besprechung, wie es weitergeht. Wir werden eine IVF machen, vermutlich direkt im nächsten Zyklus (kommt ein wenig darauf an, wann ZT 1 sein wird – wir fahren im September in den Urlaub und da wäre es ziemlich unpraktisch, wenn die Punktion in den Zeitraum fallen würde – theoretisch müsste die Punktion da aber schon lange rum sein).

Rezepte haben wir schon, wir überlegen gerade, wo wir die herbeziehen werden (warten noch auf ein Angebot von Billmann aus Frankreich).

Ansonsten wird es psychisch bei mir langsam wieder etwas stabiler. Denke ich. Unterschwellig ist da schon noch etliches, und ein wenig Angst hab ich schon, dass wieder alles auf einmal über mich hereinbricht und ich damit nicht umgehen kann. Aber daran muss ich einfach arbeiten. Aktiv hinsehen. Die Themen kopfmäßig endlich mal bearbeiten. Momentan fehlt da aber massiv die Zeit und Kraft, der Alltag allein ist einfach gerade wirklich anstrengend mit jetzt zweiter Schulwoche der Großen und diesem und jenem… Sind einfach viele Kleinigkeiten, die alles gerade komplizierter machen und ich merke, dass akut viele meiner Bedürfnisse absolut untergehen. Oder eher: meine Bedürfnisse stehen oft einfach im Gegensatz zu den Bedürfnissen der anderen Menschen, die in meinem Leben wichtig sind… Schwierig. Es gäbe schon eine Lösung, aber die lässt sich leider nicht so einfach umsetzen. Hm…

 

Aber nochmal anderes Thema. Die Kinder entwickeln sich gerade absolut rasant. Sohn steht nun seit etlichen Tagen echt ausdauernd frei und freut sich nen Keks darüber. Und sprachlich hat sich auch einiges getan, gestern hat er uns 10 Minuten lang die kleinen Leselampen im Reisebus gezeigt (Da, da, da! – mit Finger ausstrecken und hinzeigen) 😀 Und Tochterkind quatscht uns gerade die Ohren ab und fängt richtig an, mit den Großen (und auch allein) Rollenspiele zu spielen und entwickelt gerade eine wirklich blühende Phantasie. Wirklich absolut großartig! Es macht richtig Spaß, dabei zuzusehen. Und groß ist sie geworden. Wirklich groß. Was da gerade allein in ihrem Gesicht an Mimik dazugekommen ist die letzten Wochen, heftig. Und wundervoll. Sie ist einfach durch und durch ein tolles, wundervolles, großartiges Kind geworden. 🙂

Auch das, was die beiden mittlerweile an Bindung haben ist so wunderschön anzusehen. Morgens ist Drama, wenn nur einer der beiden wach ist – sobald der zweite aufwacht, ist die Welt (meistens) in Ordnung und sie haben extrem gute Laune. Und auch grundsätzlich – sie spielen echt schön miteinander. Hätte ich so früh nie erwartet…

Transfer…

abgesagt.

Beide haben das Auftauen nicht überstanden.

Bleibt ein großes Fragezeichen, wie es weitergehen soll – es waren die beiden letzten Embryonen aus der IVF…

Transfer…

festgelegt 🙂

Schleimhaut ist super-gut aufgebaut (Estradiol sei dank. Haha… 😉 ). Nächsten Dienstag ist es dann also so weit und wir bekommen ein süßes Tag-2-Zellhäufchen zurück.

Davon abgesehen läuft es (psychisch gesehen, bei mir) mal besser und mal schlechter. Ich hoffe ganz stark darauf, dass die Tendenz jetzt endlich mal ganz, ganz deutlich in Richtung „besser“ geht. Wäre mal was. Oder?

Immerhin war heute ein wundervoller Tag mit dem großen Kind. Mama-großes-Kind-Tag quasi. 🙂