möglichkeiten

Hier wird mit der Zeit eine Sammlung entstehen, die zusammenfasst, wo genau welche Behandlungen mit ärztlicher Unterstützung für gleichgeschlechtliche Frauenpaare möglich sind.

Punkt 1: Insemination oder auch IUI

Ich weiß nicht, wer das Märchen in die Welt gesetzt hat, dass eine Insemination mit Spendersamen in Deutschland heterosexuellen, verheirateten Paaren vorbehalten ist. Fakt ist: Das stimmt nicht. Trotzdem kann ein gleichgeschlechtliches Paar nicht einfach in jede Kinderwunschklinik gehen und sich dort behandeln lassen. Der „Teufel“ liegt in den Richtlinien der Bundesärztekammer. In der „(Muster-)Richtlinie zur Durchführung der assistierten Reproduktion – Novelle 2006 –“ steht geschrieben:

„Aus diesem Grund ist eine heterologe Insemination zurzeit bei Frauen ausgeschlossen, die in keiner Partnerschaft oder in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben.“

Theoretisch sollte sich nun jeder in Deutschland praktizierende Arzt an diese Vorschrift halten. In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass manche Ärztekammern der einzelnen Bundesländer widersprüchliche Richtlinien bestimmen. Und: Die Insemination mit Spendersamen ist bei einem gleichgeschlechtlichen Paar NICHT gesetzlich verboten. Aus diesem Grund gibt es mittlerweile zahlreiche Ärzte quer in Deutschland verteilt, die auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren und Singles Inseminationen mit Spendersamen durchführen. Manche Kliniken oder Ärzte verlangen dafür, dass man in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt (und behandeln folglich auch leider keine Singles). Fast alle Kliniken erfordern einen notariell beglaubigten „Vertrag“, dass die Klinik vor finanziellen (Unterhalts-)ansprüchen des Kindes absichert. Doch: Es gibt sie, die Kliniken, die gleichgeschlechtliche Paare behandeln. Unsere Klinik haben wir über das Regenbogenfamilien-Forum von eltern.de gefunden. Wer Adressen braucht, kann sich gerne bei mir melden – ich versuche dann, zu helfen. Einen Anspruch auf Richtigkeit und auf vollständige Informationen erhebe ich allerdings nicht, da sich gerade im Bereich der Behandlungsmöglichkeiten schnell etwas ändert.

Wer eine „unkomplizierte“ Behandlung sucht oder sowieso grenznah wohnt, kann für eine IUI auch beispielsweise nach Dänemark oder Holland gehen. Dort gibt es zahlreiche Kliniken, manche davon sind sogar auf IUI mit Spendersamen spezialisiert (z. B. die Diers-Klinik in Dänemark).

Punkt 2: IVF/ICSI mit Spendersamen

Auch eine IVF/ICSI ist in Deutschland möglich. Manche Kliniken schließen das jedoch aus und machen bei Frauenpaaren nur eine IUI – den Sinn dahinter habe ich noch nicht verstanden. Also: Falls jemand weiß, warum, dann klärt mich bitte auf! Bis dahin gehe ich davon aus, dass es wohl keinen Sinn dahinter gibt – und es irgendwie Willkür ist.

Trotzdem gibt es immer noch einige Kliniken in Deutschland, die eine IVF/ICSI mit Spendersamen bei Frauenpaaren durchführen. Letztendlich war eine IVF mit Spendersamen auch unser Weg zum Wunschkind.

Punkt 3: Eizellspende/Eizellen der Partnerin

Nun gelangen wir in einen Bereich, der in Deutschland offensichtlich nicht möglich ist. Im Embryonenschutzgesetz ist hierzu zu lesen:

§1 Mißbräuchliche Anwendung von Fortpflanzungstechniken
(1) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. auf eine Frau eine fremde unbefruchtete Eizelle überträgt,
2. es unternimmt, eine Eizelle zu einem anderen Zweck künstlich zu befruchten, als eine Schwangerschaft der Frau herbeizuführen, von der die Eizelle stammt,

[…]

Bisher haben wir erfahren können, dass mit Spendersamen befruchtete Eizellen der Partnerin wohl in Polen und Belgien eingesetzt werden können. Von Polen haben wir bereits eine positive Rückmeldung per E-Mail erhalten. Falls Belgien für uns in Frage kommt, werden wir dort auch noch nachfragen. Negative Rückmeldungen habe ich aus Tschechien erhalten (Behandlung nur bei heterosexuellen Paaren), ebenso wie Niederlande (Behandlung mit Eizellen der Partnerin nur, wenn Fertilitätsstörungen wie vorzeitige Wechseljahre vorliegen). In Dänemark ist es offensichtlich ebenfalls verboten (Eizellspende nur mit männlichem Partner).

An dieser Stelle werde ich dann alles zusammentragen, was ich sonst noch in Erfahrung bringen kann. Falls jemand Informationen hat, dass trotzdem ein Arzt diese Behandlung in Deutschland durchführt, wäre ich daran sehr interessiert. Unsere 5 Embryonen auf Eis möchten erlöst werden! Dann bitte einen Kommentar schreiben, damit ich meine E-Mailadresse für genauere Informationen mitteilen kann 😉

Update: Es gibt auch in Deutschland Möglichkeiten, die Eizellen der Partnerin zu verwenden. Voraussetzung scheint zu sein, dass aus der IVF/ICSI schon eine Schwangerschaft entstanden ist (bei der, von der die Eizellen stammen). Dann können eingefrorene Embryonen dazu benutzt werden, eine 2. Schwangerschaft bei der Partnerin herbeizuführen. Wer dazu mehr wissen möchte (insbesondere auch zu Ärzten, die den Transfer durchführen, denn da gibt es nur wenige), darf mich gerne anschreiben.

15 Kommentare zu “möglichkeiten

  1. Lies §1 Abs.1 Nr. 1 noch mal ganz genau… da ist nur von einer fremden unbefruchteten Eizelle die Rede, nicht von einer fremden befruchteten Eizelle! Trotzdem ist es in Deutschland nicht erlaubt, warum auch immer…

    Mir fällt noch das Stichwort „Egg-Sharing“ ein. Das ist in England, Belgien und Spanien erlaubt, vielleicht auch noch in anderen Ländern. Auf jeden Fall eine interessante Sache um entweder Kosten zu sparen oder der Partnerin die befruchtete Eizelle zu übertragen…

    • Aber dann gilt ja 2. immer noch entsprechend. Der Arzt würde damit ja die Eizelle (meiner Frau) befruchten um sie einer anderen Frau (=mir) einzusetzen. Oder überseh ich was?

      Das mit unbefruchtet hab ich allerdings überlesen, vermutlich weil es für mich schlicht keinen Sinn ergibt. Warum sollte man denn eine unbefruchtete Eizelle…? Hm…

      Ja, egg-sharing ist uns schon (mehr oder weniger) bekannt. Meine Frau kann es sich aber nicht vorstellen, einer fremden Frau ihre Eizellen zu spenden und zu wissen, dass da eventuell ein genetisches Kind noch irgendwo ist… Wie würde das denn ablaufen, wenn meine Frau sozusagen mir die Eizellen spendet? Dann müsste ich doch wahrscheinlich was dafür zahlen, oder? Wie wären da die Kosten insgesamt so? Weißt du da näheres?

  2. welche Praxen bieten die Insemination für lesb. Verheiratete in NRW und Niedersachsen an? Bin im Netz bisher nur auf München und DK gestoßen, was suuuper ungünstig wäre!

    • Würde euch Wetzlar was bringen? Da wäre das „Kinderwunschzentrum Mittelhessen“. Ansonsten gibt es wohl noch eine Frauenärztin in Langen und eine in Frankfurt.

      In NRW selbst sieht es leider wirklich mau aus, soweit ich weiß.

      Ansonsten könntest du noch im Regenbogenfamilien-Forum von eltern.de nachfragen, vielleicht hat dort noch jemand einen Tipp!

      • Vielen Dank für die Rückmeldung! Werde mich melden, wenn sich noch andere Ansprechpartner finden.

  3. Hallo,
    wir suchen eine Praxis in Deutschland die ein unverheiratetes lesbisches Paar behandelt. Wir haben einen privaten Spender, der uns bisher per Bechermethode unterstützt hat, jedoch scheint bei mir etwas nicht in Ordnung zu sein, weshalb mich meine Frauenärztin an eine Kinderwunschpraxis überweisen möchte. Nur leider haben wir bisher keine Praxis gefunden, die uns behandeln würde.

  4. Hallo, mich würde zu Punkt 3 interessieren wo die Möglichkeit besteht die vorhandenen Eizellen der Partnerin sich einsetzen zu lassen.

  5. Hallo,

    wir suchen derzeit eine Praxis die eine IUI (lesbische Partnerschaft) bei mir durchführt. Kommen aus NRW. Hast du Empfehlungen?

    Danke u Grüße,
    Sarah

  6. Huhu!
    Danke für die nette Zusammenfassung und Kommentierung des Ganzen 😉
    Wir suchen ebenfalls eine Praxis für die Durchführung der IUI, möglichst in der Nähe von Münster (NRW). Wenn du Empfehlungen hast, dann würden wir uns über Rückmeldung von dir freuen!

    Liebe Grüße
    Anna-Lisa

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