professionelle Betreuungspersonen

mit Ausbildung braucht das Kind.

Warum ist diese Auffassung so weit verbreitet? Oder, anders gesagt: Was können professionell ausgebildete Personen, was eine Mutter nicht kann?

Ich bin überrascht, dass viele dieser Ansicht sind. Ich kann ja durchaus zustimmen, dass der Ruf nach vernünftigen Betreuungseinrichtungen sehr sinnvoll ist. Es gibt Elternteile, die arbeiten müssen oder wollen und während dieser Zeit ihre Kinder gut aufgehoben wissen möchten – und ja, in so einem Fall kann eine KiTa (Krippe, Kindergarten, Tagesmutter/vater) ein Segen für die gesamte Familie sein.

Aber: Wenn es zeitlich möglich ist, die Kinder zu einem großen Teil oder komplett selbst zu begleiten UND man darauf Lust hat (es gibt ja durchaus nicht gerade wenige Eltern, die eben genau das nicht möchten, und das ist auch völlig in Ordnung) – warum sollte man dann auf so eine Einrichtung zurückgreifen? Warum liest man immer und immer wieder, Kinder brauchen die Krippe/den Kindergarten zwangsläufig? Warum „brauchen“ Kinder professionell ausgebildete Betreuungspersonen/Erzieher? Warum wird diesen Einrichtungen zugestanden, dass sie sich per se „besser“ um die Kinder kümmern können, als man selbst, oder die beste Freundin, oder eine nette Tante/die Oma? Wovor haben Eltern Angst? Dass das Kind nicht Montag von 10-12 Uhr basteln und Mittwoch von 13-15 Uhr „gemeinsames Spiel“ im KiTa-Verband erleben kann?

Ich glaube, für diesen Artikel möchte ich mal ein wenig abschweifen und von unserem Alltag unter der Woche berichten (hab ich das überhaupt schonmal so pauschal?). Aufmerksame Leser müssten mittlerweile wissen, oder zumindest ahnen, dass unsere Kinder bisher ausschließlich von uns Eltern betreut wurden. Das erstmal vorneweg 😉 Aber nun zum Alltag.

Wir stehen irgendwann auf, meist dann, wenn die Kinder der Meinung sind, dass es mal an der Zeit wäre. Die Tage, an denen wir die Kinder geweckt haben (wecken mussten), kann man an einer Hand abzählen – es waren die Tage, an denen wir entweder morgens wichtige Termine hatten, die sich nicht verschieben ließen, oder Tage, an denen wir einen Zug erwischen mussten. Warum sollten sich die Kinder auch schon so früh im Leben – ohne die Not auf unserer Seite rechtzeitig in der Arbeit erscheinen zu müssen – den Tag von der Uhr diktieren lassen? Schlimm genug, dass wir als Erwachsene ständig die Zeit im Blick haben (müssen, wollen, oder was auch immer)… Wie der Morgen abläuft, hängt momentan zu einem großen Teil davon ab, was die Große gerade benötigt. Es gibt Tage, an denen sie völlig zufrieden noch ein, zwei, drei Stunden zu Hause ist und dies auch gerne tut. Diese Tage nutzen wir für ein gemeinsames Frühstück und versuchen, danach gemeinsam noch ein wenig Haushalt zu schaffen – wobei die Große uns fast immer helfen möchte, beginnend beim Einräumen der Waschmaschine über das Anschalten der Spülmaschine oder einfach nur das Aufräumen von Gegenständen im Spielzimmer oder sonstwo. Diese Tage bieten sich auch für ein ausgedehntes Vormittagsschläfchen meinerseits an, wenn ich das gerade nötig habe; an dieser Stelle ein großes Dankeschön an meine Frau, die mir dies ermöglicht (und in der Zeit dann beide Kinder hütet).

Dann gibt es Tage, an denen die Große aufwacht und nur eins will: Raus. Und zwar zackig. Auch diesem Wunsch (ok, manchmal ist es tatsächlich ein akutes Bedürfnis) kommen wir, im Rahmen unserer Möglichkeiten und nach einem Kaffee, nach. Warum auch nicht? Diese Tage nutzen wir meist dafür, Einkäufe und Erledigungen in der Innenstadt zu machen – und in der Regel beginnen wir da erstmal mit einem ausgedehnten Frühstück 😀 In manchen Läden in der Stadt sind wir vermutlich bereits bekannt wie bunte Hunde – wer geht schon werktags mit vergnügt herumspringenden und kletternden Kleinkindern frühstücken?

Und dann gibt es den 0/8/15-Durchschnittstag, an dem wir morgens aufwachen, die Große ganz zufrieden ist, wir mehr oder wenig gemütlich zusammen frühstücken (momentan eher weniger gemütlich, aber wir arbeiten daran) und dann halbwegs zügig das Haus verlassen.

Meist entscheiden wir absolut spontan, was wir akut machen möchten. Oft wird die Große mit in die Entscheidung einbezogen, zumindest dann, wenn kein Termin o. ä. einen gewissen Ablauf vorgibt. Auch das machen wir aus Überzeugung; denn uns ist es letztendlich wichtig, dass die Große (und später auch der Kleine, aber noch ist er zu klein 😉 ) glücklich ist. Sie hat, je nach Tagesform, gewisse Vorstellungen vom Tag, während es uns nur wichtig ist, einen schönen gemeinsamen Tag zu verbringen. Natürlich kommen (noch) viele Vorschläge von uns, aber es gibt keinen Tag, an denen wir das Haus verlassen und einfach an einen Ort unserer Wahl fahren. Meist schlagen wir 2/3 Alternativen vor und oft hat die Tochter auch eine klare Präferenz, wohin sie möchte und was sie tun will.

Abhängig vom Ort (aktuell ist es oft die Elterninitiative der Uni oder die Innenstadt oder – selten – zu Hause) entscheiden wir nach einiger Zeit dann, wo wir mittags essen möchten. Extrem selten essen wir zu Hause, meistens essen wir entweder in der Mensa oder es wird in der Elterninitiative von einer anderen Mutter oder einem Vater gekocht – oder wir kochen dort selbst.

Nachmittags treffen wir uns dann manchmal noch mit einer Freundin (die ihren Sohn dabei hat), gehen zu irgendwelchen Treffen mit anderen Familien oder verbringen die Zeit zu viert. Die meisten Nachmittagsaktivitäten sind aber draußen, sofern es nicht gerade in Strömen regnet. Hab ich schonmal erwähnt, dass Tochter ein draußen-Kind ist?! 😉 Viel „Programm“ machen wir da nicht, wir leben eben unseren Alltag. Das kann am Spielplatz sein, das kann die Rutsche im Einkaufszentrum sein, das kann ein Besuch in der Bibliothek sein – oder der Zoo, oder der Park, oder … Es gibt tausend Möglichkeiten hier vor Ort, und es werden wohl demnächst nochmal mehr werden (dazu aber später ein extra Artikel).

Was das Ergebnis unseres Alltags ist? Ein zufriedenes Kind! Ein Kind, das einen guten Teil des Tages lacht, das fast immer 1:1 im Alltag begleitet werden kann, das einfühlsam in kritischen Situationen aufgefangen wird. Ein Kind, das sich sicher sein kann, dass IMMER jemand zur Verfügung steht, wenn es an irgendeiner Stelle Hilfe benötigt. Und sei es nur, dass die Tochter im Zweifelsfall auch die Möglichkeit hat, sich 30 Minuten Zeit zu lassen, um sich beim Anziehen helfen zu lassen – weil sie es möchte und wir gerne bereit sind, sie einfach machen zu lassen, ganz gleich, wie „unsinnig“ es für manch anderen erscheint.

Und nun kommen wir doch mal zum Anfang des Artikels zurück. Was hätte unsere Tochter in einer Krippe, was sie bei uns nicht bekommen kann? Ja, sie hätte wohl mehr Kontakt zu anderen Kindern – dafür hätte sie aber ihre beiden Hauptbezugspersonen sowie ihren heißgeliebten Babybruder nicht bei sich. Ja, sie hätte vermutlich mehr „Programm“ – aber braucht es das? Gerade in dem Alter? Meiner Erfahrung nach entwickelt sie sich bestens, wenn wir ihr einfach genügend Freiraum geben, nach ihren Wünschen zu spielen und mit anderen Menschen zu interagieren (auch, wenn das jetzt total öko klingen mag). Und: Sie müsste definitiv auf eine 1:1-Begleitung im Alltag verzichten, die sie auffängt, begleitet und ihr immer wieder rückversichert, dass sie geachtet, bedingungslos geliebt und umsorgt ist.

Das Ergebnis? Ein Kind, das meist freie Wahl hat, mit wem sie ihre Zeit verbringen möchte (im Allgemeinen sind das in ihrem Fall übrigens ältere Kinder, z. T. auch deutlich älter – sie hat z. B. etliche Abende mit einem geschätzt 8-Jährigen in der Mensa gespielt. Soviel also dazu, dass Kinder unbedingt gleichaltrige Kinder benötigen). Ein Kind, das enorm zuvorkommend ist, sehr einfühlsam, sehr umsichtig im Umgang mit anderen. Ein Kind, das nicht schubst, nicht beißt, nicht haut. Ein Kind, das die Grenzen anderer Menschen achtet – deutlich über das Maß hinaus, das man von 1,5-Jährigen erwarten kann. Ein Kind, das (für uns als Eltern deutlich, für andere Erwachsene absolut unauffällig) zeigt, wenn etwas zu viel ist und sie aus so einer Situation nicht allein wieder raus kommt. Ein Kind, das durchaus in einem verblüffenden Maß auf die Bedürfnisse anderer achtet – es gibt immer und immer wieder Situationen, in denen ich garnicht glauben kann, wie unglaublich kooperativ, einsichtig und „groß“ sie ist. Situationen, in denen sie ohne mit der Wimper zu zucken eigene Bedürfnisse zurücksteckt, nur um unsere Grenzen und unsere Bedürfnisse zu achten.

Ein Kind, mit dem der Alltag grundsätzlich einfach nur Spaß macht. Krankheit ausgenommen. 😀

Die leidige Suche…

nach einem Betreuungsplatz hat begonnen.

Paradox ist es ja schon: Da ist das gute Kind noch nicht mal auf der Welt, und wir müssen uns schon Gedanken machen, wie wir es wieder loswerden. Zumindest für ein paar Stunden am Tag. Denn die Zeiten, in denen man ein Kind einfach „irgendwo“ „irgendwann“ anmeldet und dann schon einen Platz bekommt, sind vorbei. Eltern sind jetzt schlauer geworden, Eltern wollen mitreden. Idealerweise immer und überall. Und: Mitentscheiden. Sich bewusst für die eine oder andere Variante entscheiden. Die Kinder in eine super-duber-frühfördernde Einrichtung geben, damit der nächste Einstein heranwächst. Moment, stopp – wir nicht.

Unsere Suche sieht eher so aus: Wir suchen eine Betreuungsmöglichkeit die in der Nähe unserer Wohnung ist, sodass man entweder zu Fuß hinlaufen kann – oder recht praktisch mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinkommt. Obwohl uns Laufen schon lieber wäre. In meiner Vorstellung passt das einfach besser zusammen. Das zweite große Kriterium ist: Das Kind soll sich einfach gut aufgehoben dort fühlen. Wir müssen uns mit den Betreuungspersonen wohlfühlen. Das Kind muss sich in der Einrichtung zurechtfinden und gerne hingehen. Der dritte Punkt, und jetzt kommen wir in den Bereich „wäre schön, ist aber keine Pflicht“: Eltern werden mit einbezogen. In Entscheidungen, bei regelmäßigen Elternabenden. Und über die Entwicklung der Sprösslinge auf dem Laufenden gehalten. Vielleicht auch mal für die ganze Gruppe kochen. Mit Wäschediensten hätten wir auch kein Problem, wenn es nicht ausufert. Und der vierte Punkt: Es wäre wirklich, wirklich schön, wenn es wenigstens einen männlichen Erzieher geben würde. Weil die einfach ganz anders mit Kindern umgehen (zumindest die, die wir bisher so „gesehen“ haben). Viel lockerer, wenig verkrampft. Viel planloser, ohne großartige Frühförderung, Frühspracherziehung und Frühsonstwas. Und: Meistens einfach total chaotisch-liebevoll. So, wie wir das auch tun würden 😉

Und dann kommt schon das nächste Problem: Die meisten KiTas wollen ein Geburtsdatum des Sprösslings; man soll sich aber doch bitte möglichst mit positivem Schwangerschaftstest – nein, wartet – mit dem Sex, der zu dem Test führt, melden. Wobei das aber auch niemand so offen und ehrlich sagt.

Das letzte „Problem“ bei den konventionellen KiTas ist dann die Trennung vom Krippen- und Kindergartenbereich. Meist ist diese Trennung dann bei etwa 3 Jahren. Unsere Kleine soll ja die ersten 2 Jahre auf jeden Fall zu Hause bleiben. Früher wollen wir einfach keine Fremdbetreuung, wenn es sich auch nur irgendwie vermeiden lässt, wird das dann auch so sein. Und irgendwie ist es ja dann auch saublöd, wenn die Kleine nach nicht einmal einem Jahr Betreuung von der Krippe in den Kindergarten wechseln soll. Das ist auch im Moment der Knackpunkt und der Grund, weshalb wir die Kinderläden eigentlich super finden: Da werden die Kinder in einer altersgemischten Gruppe (meist von 1,5 bis 6 Jahre) einfach zusammen betreut und es findet dann kein „Umbruch“ statt. Und, großes Riesen-Plus: Wenn der „Sündenbommel*“ dann auf die Welt kommt, werden unsere Kinder in einer Gruppe betreut. Geschwisterkinder haben in fast allen Kinderläden immer Vorrang vor allen anderen „Neukindern“.

 

*Sündenbommel: Da unser kleines Teufelchen im Bauch („Helli“) ja so böse ist, braucht sie natürlich einen Sündenbock. Sie ist ja schlau! Selbst für alle Vergehen gerade stehen, ist ja doof. Weil man ein Geschwisterchen allerdings nicht „Sündenbock“ nennen kann, ist es eben Sündenbommel 😀 Und bis wir einen Projektnamen für Baby 2 haben, bleiben auch wir beim „Sündenbommel“. Verrückt? Wir? Ja, aber natürlich!