Die liebe Familie

Ich hatte ja bereits erwähnt, dass meine Mutter nach der Hochzeit mal wieder nur rumgemeckert hat. Wir hatten dann nochmal telefoniert – ich wollte noch unbedingt die Hochzeitsfotos, die ich mittlerweile auch bekommen habe – und sie fing natürlich wieder damit an, zu meckern: Wir hätten uns ja in der Zeit überhaupt garnicht gesehen, und mit den Eltern meiner Frau waren wir nicht gemeinsam Essen (die wollten das nicht, weil sie meine Eltern nicht sonderlich mögen – dabei sind die Eltern meiner Frau echt total umgängliche, liebe Menschen). Und sowieso, ich hab mich ja total unmöglich verhalten, weil ich beim Hochzeitsessen kein einziges Mal mit ihnen geredet habe (zwischen meiner Mutter und mir saß meine Frau und noch eine Freundin – hätte ich über den Tisch schreien sollen? Außerdem war sie ja seit Donnerstag schon da, wir haben am Samstag geheiratet… In der Zeit haben wir wirklich genug geredet. Zu viel für meinen Geschmack.

Achja, und mit meinem Vater hab ich auch kein Wort geredet. Der saß nämlich noch weiter weg (4 Leute zwischen ihm und mir, um genau zu sein). Und in der Mitte des Tischs war ja eine Grillplatte, vor der der Koch stand, dementsprechend laut war es auch generell (Jeder Nicht-Vegetarier kann sich ja in etwa ein Bild von der Lautstärke machen, wenn da für 9 Leute gleichzeitig Fleisch gebraten wird – in einem geschlossenen Raum, 20 cm von mir entfernt. Und für die Vegetarier: Tausend mal lauter als Tofu anbraten 😉 ). Und der typische Vorwurf kam auch wieder: Ich hätte sie ja eh nicht dabei haben wollen, mir gings ja nur ums Geld.

Auf jeden Fall konnte ich sie dann am Telefon überhaupt nicht beruhigen und sie wurde immer lauter und brüllte mich schließlich an. Meine Frau saß neben mir auf dem Sofa, wollte sich das ganze nicht länger anhören, nahm dann den Hörer und sagte zu meiner Mutter, dass es jetzt genug ist und sie jetzt auflegen wird.

Das hat sie dann auch getan 😀 (Hab ich heute schon erwähnt, dass ich meine Frau absolut genial finde und sie sooo toll ist?)

Das war Sonntag Abend (soweit ich mich erinnern kann). Wir hatten, bevor sie dann mit dem ganzen Streit anfing, eigentlich ausgemacht, dass sie mir am gleichen Abend noch die Bilder von der Hochzeit schickt. Ja, dass am gleichen Abend dann nichts kam, konnte ich ja noch nachvollziehen.

Als allerdings dann am Mittwoch(!) völlig wortlos ein Link in meinem Posteingang landete, unter dem die Bilder gespeichert waren, kam mir das doch etwas seltsam vor. Normalerweise ist meine Mutter nämlich entweder sauer – dann macht sie absolut nichts, hätte also auch die Bilder nicht geschickt – oder es ist wieder alles ok und sie möchte beim nächsten Telefonat noch eine „Entschuldigung“ – die sie von mir übrigens nie bekommt…

Das kam mir also reichlich seltsam vor. Außerdem hatte sie den Unterhalt trotzdem pünklich überwiesen, was sie im Streit eigentlich gern mal „vergisst“. Da mir diese beiden Sachen dann echt seltsam vorkamen, wollte ich dann nochmal wissen, ob alles in Ordnung ist – mein Opa ist recht krank und da gibt es immer die Gefahr, dass er ins Krankenhaus kommt oder sich sein Zustand verschlechtert. Also hab ich parallel versucht, meine Mutter und meine Oma zu erreichen. Eine Woche lang meldete sich weder meine Mutter, obwohl ich ihr auf den Anrufbeantworter gesprochen habe, noch meine Oma zurück (die sieht allerdings entgangene Anrufe nicht, hätte aber zu den Anrufzeiten eigentlich zu Hause sein müssen). Am Mittwoch habe ich dann nach fast einer Woche endlich meine Oma erreicht.

Zwischenzeitlich hatte ich mir schon die wildesten Geschichten ausgemalt, unter anderem dass meinen Großeltern was passiert ist und mir – mal wieder – niemand Bescheid sagt… Mir kam das alles einfach seltsam vor. Vor allem, weil ich meiner Mutter auf den Anrufbeantworter gesprochen habe, dass ich ihr von einer Krankheit erzählen muss, die ich habe. Auf sowas meldet man sich doch zurück, als normaler Mensch!

Also: Meine Oma erzählte dann am Telefon, dass meine Mutter wohl sauer ist, wie das an unserer Hochzeit alles gelaufen ist. Wir hätten uns ja überhaupt nicht gesehen (ich habe meiner Oma dann genau erzählt, wie oft wir uns gesehen haben und sie konnte auch nicht nachvollziehen, was meine Mutter da für ein Problem hat). Und ansonsten das übliche halt. Und deswegen hat sie anscheinend nicht auf meine Anrufe reagiert. Ich hab meiner Oma dann gesagt, dass sie meiner Mutter gerne ausrichten kann, dass ich ihr nicht weiter hinterherlaufen werde. Mal sehen, was daraus wird. Ich find das Verhalten meiner Mutter absolut kindisch(!) und das hat mich mal wieder davon überzeugt, den Kontakt mit ihr in Zukunft so gering wie möglich zu halten. Sowas brauch ich einfach nicht, wir haben echt andere Probleme als die Befindlichkeiten einer gelangweilten, dummen Frau, die irgendwie nur Streit sucht.

So. Ich hoffe, es war unterhaltsam (könnte man auch unter die Kategorie „Menschen gibt’s, die gibt’s ja garnicht“ einordnen). Ich brauch kein Mitleid oder so, ich hab mit dem Thema jetzt endgültig abgeschlossen. Versprochen 😉 Das ganze Drama hat mich nur noch darin bestätigt, den Kontakt nach der Hochzeit relativ abzubrechen. Meine Kinder sollen garantiert nicht so eine Oma haben. Stattdessen haben sie dann eben einmal tolle Großeltern und zwei tolle Uromas.

Hochzeitsbericht!

So, wie erwünscht erzähle ich heute mal, wie unsere Hochzeit war 😉

Begonnen hat der Tag damit, dass morgens eine gute Freundin vorbeikam. Sie wohnt etwas außerhalb von Berlin und hat sich trotzdem die Mühe gemacht, um 5 Uhr aufzustehen und zu packen und zu uns zu kommen. Da sie sich in unserer Abwesenheit um unsere Katzen und den Nachbarskater kümmern musste und deshalb hier wohnen wollte, brachte sie gefühlt auch ihren gesamten Hausstand mit 😀

Dann haben wir uns erstmal auf den Weg gemacht und sind frühstücken gegangen. Ich hab außer einem Saft nichts heruntergebracht (ich war auch schon recht nervös, auch wenn ich es natürlich geleugnet hab…).

Nach einem sehr entspannten Frühstück sind wir dann wieder nach Hause gegangen und haben uns fertig gemacht. Kleider angezogen, Haare geglättet… Sowas eben 😉

Kurz vor 11 haben wir uns dann auf den Weg zum Rathaus gemacht, wo wir uns mit unseren Gästen treffen wollten. Bis auf eine klitzekleine Verspätung kamen sogar alle pünktlich! Dann haben wir uns vor dem Trauzimmer eingefunden und mussten zu dritt (mit unserer Trauzeugin) alle Angaben bestätigen und letzte Vorbereitungen treffen (CD mit Songs, etc.). Danach wieder warten, bis wir schließlich ins Trauzimmer durften.

Die Trauung selbst lief total schön ab. Zwar sehr kurz (nicht mal 10 Minuten?), aber dafür wirklich schön. Ich hab’s mir natürlich nicht verkneifen können und hab kurz vor dem Ja-Wort zu heulen angefangen… Ich bin aber auch schon nah am Wasser gebaut. Dann durften wir selbst die Trauung beurkunden und ich durfte das erste Mal mit meinem neuen Namen unterschreiben! Sehr ungewohnt, aber daran muss ich mich jetzt gewöhnen. 😀 Diejenigen, die durch die Hochzeit einen neuen Nachnamen bekamen: Fiel euch das noch lange schwer? Ich muss eigentlich recht oft unterschreiben (bei EC-Kartenzahlung IMMER, ansonsten halt das übliche…) und kann mir vorstellen, dass das noch eine arge Umgewöhnung sein wird.

Aber zurück zu unserem großen Tag:

Nach der Trauung haben wir uns dann auf dem Weg ins Restaurant gemacht. So ganz standesgemäß… Mit dem Bus 😉 War einfach der direkteste Weg und Parkplätze hätte es in der Nähe des Restaurants auch überhaupt nicht gegeben. Davon abgesehen mögen wir beide Autofahren nicht so unbedingt…

Das Restaurant war – wie erwartet – mittelmäßig voll und es war echt angenehm. Ich saß zum Glück zwischen meiner Liebsten und deren Eltern (huch, nicht dass jemand noch auf die Idee kommt, wir hätten das am Vorabend beim Essen abgesprochen… NEIN, NEIN… *hust*). Es war auch überraschend harmonisch und wir hatten unseren Spaß dabei, alle beim Essen mit Stäbchen zu beobachten… Diskret natürlich, versteht sich ja von selbst! Das Essen selbst war einfach nur toll und ein absolutes Erlebnis. Als Nachspeise gab es dann Teppan-Eis… Yammi! Nach dem Essen verabschiedeten wir uns dann von allen, weil wir noch ein paar Sachen einkaufen mussten für London (es war ja Samstag, und Sonntag früh ging’s schon los). Zu Hause haben wir dann erstmal Geschenke ausgepackt und dann ruhten wir uns etwas aus.

Am späten Nachmittag holten uns dann die Eltern meiner Liebsten ab und wir gönnten uns noch was beim Starbucks… Danach war es auch schon Zeit für’s Musical, das zum Glück direkt um die Ecke war.

Das Musical selbst war wirklich toll. Aber ich will nicht zu viel verraten, falls es jemand noch sehen möchte. Die Darsteller waren wirklich alle sehr gut und das Publikum war auch angenehm. Lag vielleicht auch daran, dass wir recht teuere Plätze (in der 1. Reihe) hatten… Hab ich schon gesagt, dass die Sicht genial war? 😀

Danach wollten wir eigentlich noch was trinken gehen, aber haben dann festgestellt, dass wir am nächsten Tag schon um kurz nach 4 Uhr aufstehen mussten. Also haben wir uns direkt auf den Heimweg gemacht, noch die letzten Sachen gepackt und schließlich sind wir totmüde ins Bett gefallen.

Wir selbst sind absolut glücklich damit, wie der Tag gelaufen ist. Es hätte wirklich nicht besser sein können und entgegen unserer Erwartungen haben sich meine Eltern sogar sehr zurückgehalten.

Im Nachhinein haben wir nochmal von den Eltern meiner Liebsten erfahren, dass sie selbst den Tag wirklich sehr gelungen fanden und überraschend harmonisch. Meine Mutter musste im Nachhinein leider wieder meckern und beschwerte sich darüber, dass wir uns nach dem Musical nicht nochmal getroffen haben – Wir haben so schon nur 4 1/2 Stunden Schlaf bekommen… Ich hab sie relativ schnell abgewürgt (und ich wurde auch richtig sauer und laut am Telefon, weil ich das einfach total blöd von ihr fand!) aber sie „drohte“ noch damit, dass sie sich da auf jeden Fall noch mit mir darüber unterhalten möchte. Nunja, seitdem hab ich sie halt nichtmehr angerufen und werde das auch nicht mehr tun. Da ist sie selbst schuld, würde ich mal sagen.

Und naja… Ich hatte hier ja schon erwähnt, dass es von meinem Vater noch eine Aussteuer geben soll… Ich sag nur: Bis Ende 2013, ein nicht nur gerade so fünfstelliger Betrag (15.xxx) … Wir sind erstmal blass um die Nase geworden und jetzt sind die Kinderwunschbehandlungen wirklich kein Problem mehr 😉 Davon abgesehen gab es auch sonst einen überraschend hohen finanziellen Segen, aufgrund der vielen Verwandten mit schlechtem Gewissen, dass sie nicht kommen wollten. Immerhin: Jetzt hätten wir sogar das Geld für eine künstliche Befruchtung (IVF oder ICSI) zusammen. Erleichtert ungemein…

Von unseren Flitterwochen berichte ich dann vielleicht kommende Woche. Wir sind selbst noch nicht dazu gekommen, uns mal die Fotos anzuschauen. Die Uni ist einfach gerade Mega-stressig und es muss echt viel liegengebliebenes gemacht werden… Wir haben ja jetzt auch eine Woche verpasst und die möchte dann mal nachgearbeitet werden.

Regenbogen-Törtchen

Wir sind gerade dabei, unsere eigene „Hochzeitstorte“ zu planen. Natürlich gehört dazu auch, viele verschiedene Rezepte auszuprobieren 😀 Und so haben wir heute mit Biskuitteig herumexperimentiert.

Geplant ist, dass wir nach unserer Hochzeit und dem Mittagessen dann zum Tempelhofer Feld fahren. Das ist ja der alte Flughafen hier in Berlin, der jetzt eine Art Park ist. Und – sofern natürlich das Wetter mitspielt – würden wir dann dort gern ein kleines Picknick machen. Also wäre das der perfekte Zeitpunkt für die „Hochzeitstorte“!

Deshalb haben wir heute ein wenig in der Küche rumexperimentiert (mit Farben!). Wir planen, eine Mischung aus Cupcake und Mini-Törtchen zu machen. Jeder soll sein eigenes kleines Glas bekommen, in dem das Törtchen dann drin ist.

Also haben wir heute erstmal unendlich viel eingekauft, unter anderem auch Lebensmittelfarbe aus dem Asia-Laden…

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Daraus entstanden dann diese Teigmischungen (eigentlich waren es insgesamt 6 Mischungen, die anderen waren schon im Backofen):

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Der erste fertig gebackene Teig:

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Meine Hände wollten offensichtlich auch was von der Farbe ab…

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Kleines Fazit, nachdem alle Schichten fertiggebacken und probiert sind:

* gemahlene Mandeln („orange“) und Kokosnuss (blau) war sehr, sehr lecker. Vielleicht ein bisschen zu süß, aber das lag wahrscheinlich am zu süßen Grundteig.

*Sauerkirschsaft (rot) hat nicht so intensiv geschmeckt und war überwiegend pappsüß. Da müssen wir uns noch was anderes überlegen 😉

*Zitrone (gelb) war (einzeln) viel zu süß und relativ bitter. Da muss das nächste Mal weniger Zucker und weniger Zitrone dran!

*Der mit Matcha (grün) hingegen war fast perfekt. Vielleicht noch ein bisschen weniger Zucker, aber im allgemeinen ist uns die Schicht am besten gelungen.

*In dem lila Teig war „nur“ Vanille, weil uns beim Einkaufen nichts mehr eingefallen ist. Dafür können wir vielleicht Schokolade nehmen, das nächste Mal 😉

Grundsätzlich haben also „Nüsse“ (Mandeln, Kokosnuss) gut funktioniert. Fertig gebacken sind diese Schichten sehr fluffig und lecker 😉 Flüssige Sachen (Sauerkirschsaft, Zitronensaft) waren anscheinend, zusätzlich zur flüssigen Lebensmittelfarbe, zu viel für den Teig. Diese Schichten waren alle recht klebrig und „kompakt“. Da muss noch eine gute Alternative her! Vielleicht versuchen wir da einen anderen Teig (Muffin-Teig?) oder statt flüssiger Lebensmittelfarbe irgendein farbgebendes Pulver.

Und: Wer (geschmackliche) Vorschläge für was „fruchtiges“ hat (für den blauen oder lila Teig, also vielleicht Blaubeeren für den blauen und Himbeeren für den lila Teig oder so?), darf gerne Vorschläge machen!

Farblich finden wir die rote und orange Schicht noch nicht so ganz gelungen. Das rot ist ein wenig zu dunkel und das orange, das aus gelber und roter Farbe gemischt war, ebenfalls. Aber das müssen wir noch üben, dann wird das schon 😉

Die Experimente sind auf jeden Fall noch nicht abgeschlossen und wir werden weiter berichten!

Als Belohnung fürs Lesen gibt’s jetzt einen virtuellen Keks und ein Bild vom (schönsten) fertigen Törtchen:
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Das mit der verschmierten Creme müssen wir noch hinbekommen. Vielleicht basteln wir die Törtchen erst zusammen, bevor sie in die Gläser kommen. Jetzt hatten wir jede Schicht einzeln reingemacht, und das war nicht so gut.

Ringe…

Das einzige, was bisher bei der Hochzeitsplanung nicht wirklich „schwer“ war, war die Entscheidung, welche Eheringe wir wollen.

Es werden diese hier, nur ohne die Unterschrift:

Die Ringe sind von Brent&Jess, handgemacht und kommen aus den USA… Und sind leider (relativ) teuer, aber die fertigen Ringe sind Unikate und wir finden sie schön 😀

Da wir heute erfahren haben, dass wir mehr Weihnachtsgeld als geplant bekommen, werden wir uns die Ringe einfach „leisten“. Schließlich tragen wir sie bis wir dann 111 Jahre alt sind und auf unserer Veranda sitzen und… Aber das ist ein anderes Thema 😉

„Es ist ja nicht so schlimm“…

Ist der Standardsatz meiner Mutter, wenn ich ihr davon erzähle, wie benachteiligt wir in manchen Dingen gegenüber Hetero-Paaren sind. Und das nervt gewaltig. Erst einmal verstehe ich ja nicht, wie sie das überhaupt beurteilen kann. Erstens ist sie nunmal mit einem Mann(!) verheiratet – zum zweiten Mal, übrigens. Außerdem hat sie ehrlich gesagt überhaupt keine Ahnung: Das ist ja auch der Grund, weshalb ich versuche, ihr das Thema zu erläutern. Und ihr die Probleme aufzuzeigen, die wir im Alltag haben und haben werden, sobald wir Kinder haben. Aber das ist ja alles nicht so schlimm, nein. So nach dem Motto: Seid froh, überhaupt irgend etwas zu bekommen. „In anderen Ländern ist es ja noch viiiiel schlimmer.“ Aber warum sollten wir uns an Ländern orientieren, die weniger fortschrittlich sind? Es kommt ja auch keiner auf die Idee, zu sagen: Ja, jetzt habt euch mal nicht so mit der Euro-Krise. Kann ja auch schlimmer sein. Wir könnten ja auch ein Entwicklungsland sein.

Es nervt einfach nur. Vor allem kommen die Kommentare auch relativ ungefragt. Und immer begleitet mit: „Ich würde es ja anders machen.“ Und ellenlangen Diskussionen, warum wir denn jetzt nun im Studium unbedingt Kinder möchten. Dann meine Standardantwort: „Ich möchte nach dem Studium frei sein, um auch in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten. Und dann möchte ich mich nicht auch noch mit Kinder-Kriegen auseinandersetzen.“. Das eigentliche Argument, dass wir JETZT einen Kinderwunsch haben und keinen Grund sehen, ihn auf „später“ zu verschieben, zählt nämlich nicht. Weil das ja sowieso eine bescheuerte Idee (in ihren Augen) ist. Und es gibt ja mindestens eine Million Gründe, Kinder NICHT während des Studiums zu bekommen.

Langsam habe ich auf die ganzen Diskussionen einfach keine Lust mehr. Und warum so vehement behauptet wird, es wäre ja alles „nicht so schlimm“, verstehe ich auch nicht. FÜR UNS ist es schlimm. Es ist schlimm, dass wir nicht einfach so ein Kind bekommen können, und es ist schlimm, dass wir nicht „verheiratet“ sein können. Und mir graut es schon davor, mich bereits in Bewerbungen später direkt outen zu müssen. Familienstand: verpartnert… ICH finde das einfach nur schrecklich, weil ich selbst entscheiden möchte, ob und wann ich mich arbeitstechnisch „oute“. Vielleicht habe ich ja überhaupt keine Lust dazu, als Frau in der Informatik auch noch direkt von Beginn an den Klischee-Stempel „Lesbe“ aufgedrückt zu bekommen? Ich bin nunmal einfach nur eine Frau, die zufälligerweise eine Frau liebt. So what?

Es wird geheiratet!

Nachdem wir gestern über eine Stunde beim Standesamt waren, ist es nun besiegelt: Wir werden im April heiraten! Ab jetzt wird also die Hochzeit vorbereitet. Nach dem Termin haben wir uns nochmal darüber unterhalten, wie wir uns unsere Traumhochzeit vorstellen. Idealerweise hätten wir gerne einen Fotografen, der die Trauung und etwa eine Stunde danach noch Fotos macht. Also haben wir uns im Internet informiert, welche Fotografen in Frage kommen würden. Dabei haben wir eigentlich keine großartigen Ansprüche: Es muss kein Profi-Fotograf oder so sein. Wir möchten nur schöne Bilder, die idealerweise auch etwas künstlerisch aussehen. Also so in Richtung Fotografie-Student oder so…

Allerdings gestaltet sich die Suche anscheinend etwas schwieriger, als wir dachten. Bisher haben uns nur die Bilder von richtigen „Profis“ zugesagt. Liegt vielleicht auch daran, dass Hobby-Fotografen wohl kaum Portfolios im Internet haben und dort ihre Dienste anbieten. Bei den aktuell in Frage kommenden Fotografen würden wir allerdings mindestens 400 Euro für eine 2-stündige Begleitung bezahlen. Und das ist uns doch etwas zu viel… Also, falls jemand einen künstlerischen Fotografen in Berlin empfehlen kann, der diesen Preis unterbieten kann (Es muss wirklich kein Profi sein, uns reichen auch Hobbyfotografen!)… Immer her damit! 🙂

Außerdem haben wir uns nochmal nach Hochzeitskleidern umgesehen. Wir sind uns ziemlich sicher, dass ich ein weißes Kleid möchte und meine Freundin ein schwarzes Kleid tragen will. Das passt ganz gut, da meine Freundin von einem weißen Brautkleid eh nie so überzeugt war. Ich hingegen kann es mir nicht vorstellen, nicht in weiß zu heiraten.

…Allerdings haben wir bisher keine passenden Kleider in schwarz gefunden, außer die üblichen Angebote aus China. Und das hatten wir schon einmal – und brauchen es nicht wieder. Also: auch für schöne Brautkleider in schwarz, die möglichst nicht mehr als 1000 Euro kosten, nehmen wir gerne Vorschläge an! 🙂 Bei den weißen Brautkleidern ist die Auswahl hingegen so groß, dass ich beim besten Willen nicht weiß, wie ich mich da entscheiden soll…

Und das nächste Problem werden die Ringe… Eigentlich haben wir unsere „Traumringe“ schon entdeckt: In einer Broschüre zum Trauring-Schmieden… Allerdings kosten die Ringe wahrscheinlich etwa 1500 bis 2000 Euro, und dazu kommen dann noch die Kosten für den Trauring-Kurs. Deshalb haben wir uns entschieden, erstmal abzuwarten, wie viel Geld wir letztendlich auftreiben. Davon machen wir dann abhängig, wie „teuer“ die Hochzeit und das Drumherum ausfallen wird.

Ansonsten wurde mir gestern und heute mal wieder bewusst, wie schrecklich ich persönlich unsere Lage hier in Deutschland und in Europa finde. Das fing schon beim Standesamt an: Sowohl die Sachbearbeiterin als auch die Standesbeamtin, mit der wir am Ende sprachen, waren peinlichst darauf bedacht, ja immer schön brav „Lebenspartnerschaft“ und „Verpartnerung“ und „Lebenspartnerschaftsname“ zu sagen. Ist ihnen dann doch einmal das Wort „Ehe“ oder gar „Hochzeit“ herausgerutscht, folgte nur ein kurzes „äh, äh, ich meinte natürlich…“. Das war einfach ein mieses Gefühl, und es hat mich auch generell ein bisschen traurig gemacht. Auch als uns das Merkblatt zur Wahl des Nachnamens gegeben wurde, musste die Standesbeamtin uns extra darauf hinweisen, dass dies in unserem Fall ja der LEBENSPARTNERSCHAFTSNAME ist. Sie hätte nur keine Lust gehabt, das Merkblatt bisher auch für Lebenspartner zu gestalten. Nach 11 Jahren, in denen es bereits die „Lebenspartnerschaft“ gibt. In Berlin-Schöneberg, wo jede 10. geschlossene „Ehe“ keine Ehe sondern eine Lebenspartnerschaft ist. AHA.

Außerdem könnte ich mich ja immer darüber aufregen, wenn irgendwelche Konservativen ankommen, und meinen, man könnte uns die EHE ja nicht gewähren – wir würden ja nicht für den Fortbestand Deutschlands sorgen. Ja, was machen wir denn bitteschön nächstes Jahr? WIR, also ZWEI FRAUEN, werden Kinder haben. Und nach viel Papierkram und Zittern und Ungewissheit werden wir schließlich auch BEIDE(!) den rechtichen Status MUTTER im Bezug auf unsere Kinder haben – dank Stiefkindadoption. Aber mir ist schon bewusst, dass den überaus freundlichen Konservativen das Essen wieder hochkommen würde, wenn sie an die Möglichkeit auch nur im entferntesten denken würden. Generell ist DENKEN wahrscheinlich etwas, was diesen Menschen wohl echt schwerfällt… Aber hier sollte ich Schluss machen. Erstens möchte meine Freundin heute Abend mit mir Essen und ins Kino, und zweitens werde ich am Ende sonst noch beleidigend… *pfeif*

Nächste Woche…

…wird sehr anstrengend und aufregend. Wir haben einen Termin in unserer Kinderwunsch-Klinik. Immernoch Zyklusmonitoring – also Ultraschall und Blutabnahme.

Außerdem steht der Termin für die „Anmeldung zur Lebenspartnerschaft“ an. Gerade mal eine Stunde nach dem Termin in der Kinderwunsch-Klinik…

Dann haben wir uns entschieden, einen Informationsabend in einer anderen Kinderwunsch-Klinik zu besuchen. Es ist ja nun nicht sicher, ob wir einen Spender bei der Samenbank, mit der unsere Klinik zusammenarbeitet, finden. Also werden wir uns in der Zwischenzeit einfach auch mal andere Kliniken anschauen.

Was ich ja grundsätzlich dämlich finde, ist, dass wir uns die Klinik nicht komplett frei aussuchen dürfen. Selbst in Berlin gibt es nur – soweit ich bisher erfahren konnte – 3 oder 4 Kliniken, die uns überhaupt helfen. Außerdem arbeiten diese Klinken dann jeweils mit nur einer bestimmten Samenbank zusammen (Doch auch hier wieder: Keine eigene Erfahrung, nur vom Hören-Sagen. Wer andere Informationen hat, immer her damit.). Dabei hätten wir gern unsere Klinik mit einer anderen Samenbank… Aber man kann wohl als lesbisches Paar keineswegs alles haben.

Ich weiß, dass das im Grunde jammern auf hohem Niveau ist. Immerhin haben wir hier eine Auswahl an Kliniken, direkt vor Ort. Wir müssen nicht wie andere Paare hunderte Kilometer reisen und sogar ins Ausland gehen, um einen Arzt zu finden, der zu einer Behandlung bereit ist. Aber wie schön wäre die Welt nur, wenn wir uns einfach völlig frei aussuchen könnten zu welchem Arzt wir gehen und welche Samenbank wir wählen möchten…

Ein komplett anderes Thema:

Vor kurzem hat meine Freundin wieder mit ihren Eltern telefoniert. Und unter anderem eben auch über unsere Kinderwunsch-Klinik gesprochen und von den bisherigen Untersuchungen und Ergebnissen erzählt. Am Ende stellte sich heraus, dass die zukünftigen Großeltern eigentlich überhaupt kein Problem mit unserem Kinderwunsch haben. Das Problem war bisher anscheinend, dass nicht so ganz klar war, ob wir das jetzt nun wirklich umsetzen oder nicht. Deshalb gab es auch keine Nachfragen und keinerlei Interesse. Nun hat meine Freundin das aber geklärt und wir hoffen, ab jetzt reges Interesse und viele Nachfragen zu erhalten 🙂

Tja, wäre das nur mit unserem Umfeld generell so schön leicht… Bei meinen Eltern gibt es hingegen überhaupt keine Neuigkeiten, die erwähnenswert wären. Nur leere Versprechungen sich zu melden und dann kommt doch tagelang nichts. Und ich habe auch überhaupt keine Lust mehr, immer von mir aus den Kontakt zu suchen. Wenn offensichtlich kein Interesse an mir und meinem Leben da ist, dann eben nicht. Irgendwie kenn ich es auch nicht anders, also war ja nicht zu erwarten, dass sich das plötzlich ändert. Auch wenn ich natürlich gehofft hatte, dass so ein (bisher leider nur geplantes und noch nicht vorhandenes :-)) Enkelkind wenigstens ein klein wenig Interesse  hervorruft.