Wochenende. Öffentlich.

Es ist gerade das erste Mal, dass ich über einen längeren Zeitraum von meiner Freundin getrennt bin. Das erste Mal (Fernbeziehungen mal ausgenommen), dass ich überhaupt so lange von einem gebliebten Menschen getrennt bin (ja, echt! Mehr als eine Nacht war ich noch nie von meiner Frau getrennt). Es war und ist enorm schwer für mich. Ich kann nicht greifen, nicht BEgreifen, was daran für mich so schlimm ist. Es ist nicht Eifersucht, nicht mangelndes Vertrauen. Es ist schlicht und ergreifend dieses furchtbare Gefühl, sie zu vermissen. Extrem. Nicht essen können. Nicht schlafen können. Dabei sind es jetzt noch nicht einmal 48 Stunden…

Bald wird sie wieder da sein. Bald sehen wir uns wieder. Aber wiederholen sollten wir das echt nicht…

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Gefühlsexplosion.

Es sind nun knapp 3 Wochen. Klingt überschaubar, knapp, kurz… Gefühlsmäßig ist es das absolut garnicht. Es ist intensiv, wahnsinnig intensiv. Gefühle, die ich in der Intensität und in der kurzen Zeit bisher noch nie so empfunden habe. Nie zulassen konnte. Mit ihr ist es anders. Oft reicht schon ein kurzer Blick, ein Lächeln, eine winzige Gefühlsregung, die übers Gesicht huscht. Und ich weiß, was sie gerade beschäftigt. Woran sie denkt. Was sie sagen möchte, bevor sie es ausspricht. Es ist verrückt, wenn man kurz inne hält und darüber nachdenkt. Darüber nachdenkt, dass es morgen erst 3 Wochen sind. Dass es noch so viel gibt, was wir über den jeweils anderen nicht wissen (und gleichzeitig so viel, was wir voneinander wissen)… Aber im Alltag ist es einfach nur… vertraut. Liebe. Nähe. Wunderschön…

Welche Worte uns begleiten? Warten. Etwas, was wir beide absolut nicht können. Ich denke, es spricht Bände, wenn ich schreibe, dass wir bereits jetzt über Kinder sprechen. Gemeinsam ein Haus kaufen. Gemeinsam leben, gemeinsam sterben.

Bedingungslos. Alfie Kohn’s Liebe und Eigenständigkeit gelesen? Ich muss ja zugeben, wir noch nicht. Aber was bedingungslose Liebe ist, dürfte jedem klar sein. Und es trifft zu 100% zu.

Vertrauen. Ein wenig so meine „Problemzone“ (haha). Es IST schwer. Wahnsinnig schwer. Aber ich merke die Fortschritte. Winzig. Quasi minimalistisch. Aber es tut sich was, und das ist zumindest für mich sehr erleichternd. Und ich habe zwei Menschen an meiner Seite, die mir alle Zeit der Welt geben, um das notwendige Vertrauen zu gewinnen.

Nähe. Extrem wichtig. 24 Stunden am Stück gemeinsam verbringen und es macht mich traurig, wenn wir uns darauffolgend für eine Nacht nicht sehen.Was der Grund ist, weshalb ich diesen Beitrag hier mit Macbook auf ihrem Bauch liegend verfasse… 🙂  Sex ist nicht nur Sex, sondern… Nähe. Einfach nur Nähe. Wunderschön. Vertraut. Geborgen fühlen.

Aufräum- und Gedankenpause

Sitze nun seit über einer Stunde dran, die Wohnung (alleine, ohne Kinder! Hurray!) aufzuräumen, da am Dienstag das Schwiegermonsterchen anrückt (so schlimm ist sie nicht… 😉 ).

Tut gut. Echt jetzt. Die letzten 2 Wochen waren so, so, so intensiv. Wahnsinnig intensiv. Und auch, wenn es kacke ist – allein das alltägliche Leben, das hier aktuell so läuft, triggert gerade so extrem viele Dinge, die ich lange vergessen habe. Lange vergessen wollte… Stichwort Vertrauen (in die Gefühle und Worte anderer Menschen, um genau zu sein), Stichwort Selbstwertgefühl. Ist ein schwieriges Thema und da braucht es sicherlich noch etliche Gespräche, etliche Stunden Nachdenken und Zeit. Vor allem Zeit. Vertrauen ist für mich ein enorm schwieriges Thema und es belastet mich, dass ich nicht einfach Stop sagen kann und meinen Kopf ausschalten kann. Es belastet mich, dass ich viele, viele Zweifel in meinem Kopf habe… Dass ich häufig dasitze und denke: Es ist gerade gefühlsmäßig so perfekt, was wird da noch passieren? Das kann doch nicht Realität sein…

Im Endeffekt ist es Arbeit an mir selbst. Ich muss diese Dinge für mich klären. Muss vertrauen. Muss daran arbeiten, zu erkennen, wie viel ich anderen Menschen bedeute. Und vor allem daran arbeiten, das auch zu glauben, nachvollziehen zu können. Großes Problem…

Anderes Thema: Es ist echt unglaublich krass faszinierend, dass ich rein zufällig(!) einen Menschen getroffen habe, der mich so dermaßen versteht. So viel von dem, was ich denke, was ich fühle, teilt. Fast schon gruselig. Und in vielen, vielen Dingen sowas von schön. Es ist einfach das Gefühl: Hey, da ist jemand, der mich mit meiner verqueren Denkweise, mit meinen abstrusen Gedanken, mit meinen merkwürdigen Gefühlen versteht. Und das ist schön, das gibt mir das Gefühl, wahnsinnig gut aufgehoben zu sein. Vielleicht hilft mir das ja auch bei den Problemen, die ich anfangs geschildert habe… 😉

Adoption. Beziehungskrams.

Die letzten Tage waren sehr, sehr aufregend. Die Woche hatten wir den Adoptionstermin für den Babysohn. Im Gegensatz zur Adoption in Berlin – ganz ehrlich, es lagen WELTEN dazwischen. Ein paar Minuten nettes Gespräch (auf Augenhöhe! Ohne zu versuchen, uns in die Rolle von Bittstellern zu drängen) und das wars dann auch schon.

Folgt das übliche Prozedere und in 1,5 Monaten werden wir wohl die neue Geburtsurkunde beantragen können. Wobei das ja zweitrangig ist, bisher hatte bei der Adoption des Töchterchens der erste Beschluss immer völlig als Nachweis ausgereicht.

Davon abgesehen „plätschert“ das Leben so weiter. Ich weiß nicht so recht, wo ich anfangen soll. Wir haben diverse (Langzeit-)Pläne (Hauskauf, Studium oder nicht, weitere Kinderplanung…); wollen wohl auch einiges ändern. Es findet sich gerade sehr viel neu und die Zeit ist sehr, sehr aufregend für uns alle. Dazu kommt, dass ich echt krass verliebt bin. So richtig. Und das Gefühl habe, ich habe (ein zweites Mal…) unter unzähligen Menschen die Person zufällig(!) gefunden, die perfekt für mich ist. Ich bin unendlich glücklich. Unendlich verliebt. Und unendlich dankbar, dass meine Frau das zulassen, akzeptieren kann. Mich unterstützt, jederzeit. Mich gehen lässt, wenn ich es brauche, und mich mit offenen Armen empfängt, wenn ich zurück komme. Es ist tatsächlich momentan einfacher für uns als Paar, als ich es zuvor erwartet habe. Im Prinzip ist unsere Familie tatsächlich einfach größer geworden. Reicher. An Emotionen, an Menschen, an Liebe. Es ist ein wunderbares Gefühl und mir tut das richtig, richtig gut.

Das einzige womit wir momentan etwas kämpfen ist das „Outing“ vor der Familie. Meine Mutter – geschenkt. Ist mir völlig gleich, was sie davon hält. Dementsprechend werde ich es ihr einfach sagen, wenn die Sprache zufällig darauf kommt, oder halt nicht (wir haben eh keinen großartigen Kontakt mehr). Das einzige, was etwas schwieriger ist, sind tatsächlich die Eltern meiner Frau. Ihre Mutter kommt nächste Woche für etliche Tage zu Besuch und uns ist beiden absolut nicht wohl dabei, ihr etwas vorzumachen. Andererseits fürchten wir schon ein wenig, dass die Reaktion eher „not amused“ ausfallen wird bzw – was wir eigentlich sogar noch mehr befürchten – dass sie sich unglaublich Gedanken macht, sich Sorgen macht, unsere Beziehung vor dem Aus sieht… Solche Dinge. Aber Verschweigen einer dauerhaften Beziehung (und genau danach sieht es gerade aus…) ist halt auch Murks, mal ganz abgesehen davon, dass wir für uns ganz persönlich keinen Grund sehen, es zu verschweigen. Und es in der Praxis schwierig werden dürfte, denn wir sehen uns eigentlich täglich und ich weiß nicht, wie wir das sonst lösen sollen – wenn nicht mit der Wahrheit. Und nicht zuletzt: Wir sind glücklich so, wie es ist, und ich würde es am liebsten mit der ganzen Welt teilen 🙂