Veränderungen.

Über die letzten Monate hat sich einiges geändert. Ich für mich bin überraschenderweise ein gutes Stück gesünder (psychisch gesehen) geworden. Nachdem ich Anfang bis Mitte April nochmal einen relativen Tiefpunkt hatte, geht es seitdem bergauf. Ich hab mich seitdem nicht mehr selbst verletzt, was ein riesiger Schritt war. Vor allem kann ich definitiv sagen, dass es für mich keine Strategie mehr ist, und zudem auch nicht mehr hilft. Quasi doppelte Absicherung…

Also… ich für mich bin jetzt stabiler. Auch was Stimmungen angeht, Gefühle, Gedankenspiralen. Hab wieder mehr Kontrolle darüber, vor allem im Umgang mit meinen Gedanken und Gefühlen hat sich viel, viel, viel getan. Perfekt ist es nicht, aber ich komme sehr gut zurecht. Und gerade im Anbetracht dessen, was gerade an psychischem Stress und Druck von außen kommt, ist das eine wahnsinnige Leistung. Die mich auch stolz macht, ja.

Details, was unser/mein Leben betrifft, werde ich vorerst hier nicht veröffentlichen. Vielleicht demnächst mal in einem passwortgeschützten Eintrag. Es ist tatsächlich viel passiert; ich hab persönlich eine enorme Veränderung durchgemacht. An Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl gewonnen; ich habe es tatsächlich geschafft, über die letzten Monate immer und immer mehr zu entdecken, wer ich überhaupt wirklich bin und was mich als Menschen ausmacht. Was ich im Leben möchte, wie ich leben möchte, was meine Werte und Überzeugungen sind. Ich habe wirklich hart an mir gearbeitet, enorm viel an Gedanken/Gefühlen reflektiert und bin überraschenderweise einige wirklich belastende Dinge losgeworden (z. B. meine massive Verlustangst, die ich besonders in Paar-Beziehungen spüre). Dieser Prozess war nicht immer einfach. Tat zum Teil weh, nicht nur mir, weil es doch einige Konsequenzen nach sich gezogen hat. Weil unerwartete Dinge passiert sind und ich unerwartete Entscheidungen getroffen habe. Aber es fühlt sich richtig an, ich bin zufrieden. Und meistens auch glücklich. Doch egal wie: Ich weiß, dass es so richtig ist und ich den richtigen Weg für mich gefunden habe. Und das fühlt sich wunderbar an!

Was es sonst neues gibt? Baby L wächst und gedeiht prächtig. Geschlecht wissen wir auch schon 😉 Name steht zu 90% fest. Und wir sind bereits in der 32. Schwangerschaftswoche angekommen. Diese Schwangerschaft ist deutlich anstrengender für meine Frau als die bisherigen beiden; was aber irgendwo auch klar ist, weil ich nun Vollzeit studiere und meine Frau tagsüber ab und an doch über Stunden allein mit beiden Kindern ist. Glücklicherweise wird sich das nach der Geburt ändern, weil ich da tatsächlich dann so gut wie nichts an Kursen belegen werde und voll und ganz für die Kinder da sein möchte 🙂 Aber bis dahin wird es eine verdammt harte Zeit, 2 Monate voller Prüfungen stehen mir bevor.

Zum Studium generell… Ich bin glücklich damit, tatsächlich! Informatik war ja an sich nie DAS, was ich machen wollte. Sondern eher … naja. Wunsch war lange Zeit Medizin, was mit einem Abischnitt von 2,x halt illusorisch zu erreichen schien. Zumindest in halbwegs angemessener Zeit. Jetzt, mit deutlichem Medizinbezug im Studium, macht es tatsächlich mehr Spaß. Enormer Unterschied! Die meisten der Sachen, die ich lernen „muss“, interessieren mich. Im Vergleich zum Zustand im Bachelor ist das quasi eine Wendung um 180 Grad 😉 Und das macht mich echt, echt glücklich. Und wer weiß – vielleicht entschließe ich mich mit „abgeschlossener Familienplanung“ dann Ende 30 doch noch dazu, Medizin zu studieren. Spannend wärs.

Noch Fragen? 🙂

Mehr als ein halbes Jahr. Ein Rückblick.

Triggerwarnung – detailreiche Beschreibung von Selbsterverletzung, Magersucht, Kinderwunschgedöns

 

Ich beginne diesen Beitrag am 9.12.2016 und denke, es wird etwas Zeit dauern, bis er tatsächlich fertig ist.

Es sind nun mehr als 6 Monate. 6 Monate, die psychisch für mich wohl die härtesten Monate im „Erwachsenenleben“ waren. Ob es „vorbei“ ist? Ganz ehrlich, ich kann es nicht sagen. Ich weiß es nicht. Diese 6 Monate haben mich an meine Grenzen gebracht, oder darüber hinaus? Es gab Momente, in denen ich schlicht und ergreifend „weg“ war. Momente, in denen ich nicht sprechen konnte. Momente, in denen ich mich nicht bewegen konnte. Es sind zig Erinnerungen aus meiner Kindheit/Jugend hochgekommen, vieles davon tatsächlich schwerwiegend und belastend. Ich habe über 20 Kilo verloren. Und bin gerade dabei, es nun auf dem Niveau endlich stabil zu halten. Der Punkt „verzerrte Körperwahrnehmung“, der bei mir mit der Magersucht kommt und mit wieder-stabil-werden geht, ist seit locker 2, eher 3 Monaten verschwunden. Übrig bleibt die Kompensation; wenn es mir psychisch schlecht geht oder wenn ich unter Druck stehe, esse ich nicht. Oder wenig.

Thema war im letzten halben Jahr auch immer wieder Selbstverletzung. Ich schneide nicht mehr. Seit einem Schlüsselmoment hab ich’s einfach gelassen. Es waren zwei Seiten… Einerseits war das letzte Schneiden für mich selbst einfach gruselig. Ich schnitt und schnitt in meine Haut und fand kein Ende; es waren sicherlich 30 unterschiedliche Schnitte und ich hatte zum Teil mehrere Male nochmal in eine entstandene Wunde reingeschnitten. Und empfand einfach nur Spaß dabei, hörte Musik, tanzte – und schnitt. Immer und immer wieder. Im Nachhinein macht mir das einfach nur Angst. Es war nicht dramatisch tief, gefährlich oder sonstwas – aber ich hatte einfach das Gefühl, ich könnte das stundenlang machen. Empfand keinen Schmerz dabei. Sah das Blut laufen und fand es … schön?

Die zweite Seite war die Reaktion meiner Freundin. Bisher war bei mir angekommen, dass sie diese Seite an mir einfach annimmt, hinnimmt, es ihr nicht großartig was ausmacht. Dachte ich… War nicht so. Sie bat mich, es zu lassen, und ich ließ es. Es gab seitdem nochmal etliche Tage, in denen ich einfach unglaublichen Druck hatte, zu schneiden, es aber niemals auch nur ansatzweise getan hätte. Das letzte Mal ist nun fast 8 Wochen her. Die Gedanken daran werden weniger. Auch, wenn ich ehrlich zugeben muss – allein für mich hätte ich es niemals gelassen. Dafür war es ein zu angenehmes Mittel, um meine Gedanken zu ordnen, um mich zu beruhigen, um psychische Schmerzen auszublenden… Ja. Es half leider bei etlichen Dingen, die nun schwieriger geworden sind. Aber machbar.

Was psychisch noch da ist und definitiv nicht so bald verschwinden wird ist meine Verlustangst. Vor 5, 6 Monaten war die Verlustangst tatsächlich lähmend, belastend. Es ist besser geworden, ja. Aber gut… Nein, so wie es jetzt ist, ist es von „gut“ noch weit entfernt. Obwohl ich zumindest von meiner Freundin all die Bestätigung bekomme, die ich brauche – und noch so viel mehr… Es ist emotional zum Teil wirklich, wirklich schwierig. Ich denke, das Thema wird mich noch etliche Jahre begleiten und selbst dann wird es nicht immer, nicht jederzeit „gut“ sein.

Soviel zum Rückblick. Aktuell geht es mir tatsächlich gut. Es gibt Baustellen, ja. Definitiv. Aber der letzte Zusammenbruch ist etliche Zeit her. Ich werde stabiler. Belastbarer.

Was nach wie vor nervig bis belastend ist sind die Stimmungsschwankungen. Gerade für mich ist es schlimm, weil ich teilweise echt dastehe und genau weiß, dass das, was ich fühle, was ich denke, einfach krank ist. Unbegründet, übertrieben. Unangemessen – ich glaube, das trifft es am besten. Etwas dagegen tun kann ich leider oft nicht – kleinere Dinge bekomm ich häufig mit etwas Kopfarbeit noch ganz schnell und unkompliziert aufgedröselt. Sobald es aber komplexer wird und/oder mit wirklich tief verwurzelten Ängsten spielt, bin ich relativ machtlos. Brauche Stunden, um halbwegs normal denken zu können; aus den Gedanken “auszubrechen“. Aber auf der “Haben“-Seite steht: ich bekomm es hin. Ohne mir selbst zu schaden, ohne kompletten Zusammenbruch. Aber es ist anstrengend und es kommt alle paar Wochen vor, dass ich den restlichen Tag zu wenig bis nichts mehr zu gebrauchen bin. Gerade wenn es in die Richtung Verlustangst geht…

Aber nun zu den absolut und bedingungslos positiven Seiten. Ich bin glücklich. Wahnsinnig glücklich. Und es ist wundervoll anzusehen, wie unsere Kinder zwei Erwachsene als enge Bezugspersonen und drei (Geschwister)Kinder „gewonnen“ haben. Wie sehr sie an diesen Menschen hängen. Es ist spannend, zu beobachten, wie die Kinder insbesondere auf die Erwachsenen reagieren, wie sie mit ihnen interagieren. Wie das Level an Vertrauen, das da langsam entsteht, immer höher wird.

 

Was sonst im Jahr 2016 passiert ist? Die Kinderwunschbehandlung war extrem kräftezehrend. Im Mai hatten wir unseren ersten Termin und waren theoretisch bereit, sofort loszulegen – im Dezember haben wir dann positiv getestet. Dazwischen war viel vergedeute Zeit, weil ungenutzte Zyklen, meine Frau hat sich unendlich viel Hormonzeug reinpumpen müssen (z. T. für nichts, da sie 5 Zyklen Hormone nehmen musste und es nur 3 Transfere gab). Einmal (nach der IVF/dem ersten Transfer) hatten wir positive Tests, aber es wollte nicht bleiben. Und jedes.einzelne.Mal wartete die Strecke Leipzig-Berlin-Leipzig innerhalb eines Tages auf uns. Mal mit Auto, mal mit ICE, mal mit Nahverkehr. Entweder meine Frau allein, oder zu viert, oder zu sechst.

Seit Oktober studiere ich wieder, Vollzeit, geplant sind Prüfungen im „Gegenwert“ von 30 ECTS dieses Semester. Auch das hat sich geändert. Negative Auswirkungen sind, dass ich ein wenig den Kontakt zu den Kindern verliere, was mir echt unglaublich weh tut. Zumindest die Große scheint sich aber dran zu gewöhnen und nach anfänglichem „nur Mami (meine Frau) darf X, Y, Z mit mir machen“ legt es sich langsam und ich „darf“ auch wieder Sachen mit ihr machen, manchmal wählt sie sogar freiwillig mich. Es tut einfach auch weh, den Kindern nicht das Gefühl geben zu können, „immer“ da zu sein – während meine Frau aber immer da IST. Beim Sohn ist’s grundsätzlich auch noch etwas schwieriger als bei der Großen. Nachdem es in seinem 2. Lebenshalbjahr so war, dass er mich und meine Frau endlich nahezu gleichermaßen akzeptiert hat, schlägt das nun phasenweise wieder etwas um und ich kann ihn manchmal, wenn meine Frau auch verfügbar ist, absolut nicht trösten. Wenn wir allein sind oder ich allein mit beiden Kindern bin, ist das glücklicherweise anders. Trotz allem – Vollzeit studieren werde ich definitiv nicht weiter. Das ist’s einfach nicht wert. Es fehlt grundsätzlich so sehr Zeit für andere Dinge und gleichzeitig hab ich das Gefühl, noch lange nicht genug Zeit mit Lernen und Uni zu verbringen. Realistischerweise werde ich wohl in den kommenden Semestern etwa 50% eines Vollzeitstudiums hinbekommen. Aber das reicht. Mir und überhaupt. Und das Studium wird sich dadurch in die Länge ziehen, ja – aber dafür hab ich dann sicherlich genug Zeit für die Kinder und auch ein wenig Zeit nur für mich. Und ich werde mich mit Uni tatsächlich auch beschäftigen können und nicht nur das absolut nötigste tun, um durch die Prüfung zu kommen. Denn grundsätzlich interessiert mich das, was ich da studiere, schon und es ist einfach schade, dass ich nicht die Zeit habe, mich wirklich intensiv mit den Inhalten auseinanderzusetzen.

Das war’s im Prinzip. 2016 hat wohl die größten Veränderungen überhaupt mit sich gebracht und zumindest für mich war es aufregend, schwierig, wundervoll und furchtbar gleichzeitig. Es sind etliche schreckliche Dinge passiert und mindestens genausoviele wundervolle Sachen. Alles in allem, vor allem gefühlsmäßig, ein Jahr der Extreme 🙂

Ich frag mich ja…

ob es tatsächlich NUR am geringen Altersabstand der Kinder liegt oder die Menschen einfach bekloppt geworden sind?

Wir dürfen uns in letzter Zeit ständig anhören, wir sollen doch mit dem 3. Kind noch warten (größtenteils von komplett fremden Leuten aus dem Internet, die absolut keine Ahnung von unseren Lebensumständen haben!). Was passiert mit unserer Gesellschaft, dass man sich in fremde Angelegenheiten so dreist einmischt und komplett ungefragt und völlig am Thema vorbei (ging um andere Dinge…) „Ratschläge“erteilt? Und teilweise dann auch echt noch persönlich wird in die Richtung: „Die armen Kinder, werden früh abgestillt“ oder „Die armen Kinder, haben nie lange Exklusivzeit mit den Eltern“. Und manchmal klingt zwischen den Zeilen durch: „Mann, was für verrückte Menschen, die horten da Kinder und setzen eins nach dem anderen in die Welt, die Kinder MÜSSEN doch verwahrlosen!“

Ehrlich gesagt – ich würde niemals zu jemandem hingehen und sagen:“Hey, 5 Jahre Altersabstand würde ich niemals machen, die armen Kinder! Das dauert dann sooo lange, bis sie miteinander spielen können. Und als Eltern muss man wieder komplett neu anfangen mit Babyzeit bla bla. Und egoistisch ist es ja auch – schließlich haben die Kinder lange Zeit nichts voneinander.“Selbst WENN es offensichtlich meine Ansicht ist, dass geringe Altersabstände großartig sind (sonst würden wir es ja anders machen… 😉 ). Trotzdem werte ich doch andere Lebensmodelle nicht ab?! Was für uns richtig ist, muss ja nicht zwangsläufig für alle anderen Menschen, alle anderen Familien richtig sein. Ich frag mich, warum es da in der Frage der Familienplanung so distanzlos zugeht? Und ungebremst von sich auf andere Menschen geschlossen wird, teilweise total unempathisch oder – ganz beliebt – einfach nur vorwurfsvoll und frech?

24 Stunden später

… Gibt es einen Geburtsbericht.

Viel Spaß beim Lesen! 😉

Es ist eigentlich schwer zu sagen, wann genau die Geburt so richtig anfing. Bei 40+0 erhielten wir von unserer Hebamme den recht überraschenden Befund von „2 bis eher 3cm“ Muttermundsöffnung und eigentlich gingen sie und wir von einer sehr baldigen Geburt aus. Am Tag darauf ging dann über den gesamten Tag der Schleimpfropf so langsam ab und wir machten uns bei jeder Wehe neue Hoffnungen.

Bei der Vorsorge an 40+2 folgte eine Eipollösung, Muttermund war mittlerweile schon bei 3cm und das Köpfchen hatte sich etwas mehr in Startposition gedreht. Wir machten uns wieder große Hoffnungen, der Tag verging mit vielen semi-regelmäßigen Wehen, die allerhöchstens mal etwas unangenehm waren und leider gegen Abend wieder aufhörten. So verging auch das Wochenende und die nächsten Vorsorgen bei 40+4 und 40+6. Mehr oder weniger Wehen, immer mehr Ungeduld und keine Geburt in Sicht…

Bei der nächsten Vorsorge bei 41+1 durfte ich dann eine erneute Eipollösung über mich ergehen lassen und unsere Hebamme versenkte auf unseren leicht verzweifelten Wunsch hin jegliche geburtseinleitende Akupunktur-Nadel in meinem Körper, die ihr in die Hände geriet. Der Muttermund war bei 4cm, das Köpfchen in einer noch besseren Startposition – wenn das überhaupt möglich ist – und eigentlich sollte den kleinen Kerl nichts mehr aufhalten. Wir machten – mal wieder – keinen weiteren festen Termin zur Vorsorge aus und hofften – mal wieder – auf ordentliche Wehen.

Die dann auch so langsam kamen. Endlich. Die Wehen wurden stärker und regelmäßiger, blieben allerdings höchstens unangenehm. Um dem Ganzen noch etwas auf die Sprünge zu helfen ging meine Frau mit dem Töchterchen alleine raus, damit ich mich auf die Wehen konzentrieren konnte. Das dank ausgefallenem Mittagsschlaf völlig übermüdete Töchterchen fiel dann pünktlich um 6 ins Bett, sodass wir uns ganz auf die erhoffte Geburt einstellen konnten. Ich ging nochmal heiß duschen und setzte mich danach mit der Milchpumpe aufs Sofa, um die immernoch vorhandenen Wehen etwas anzukurbeln.

Als wir schon fast die Hoffnung aufgegeben hatten, dass die Wehen wirklich noch stärker würden, fing es dann schließlich an. Die Wehen kamen plötzlich in Abständen von nur 2-3 Minuten, wurden ziemlich schmerzhaft, dauerten aber zum Glück nur etwa 30-40 Sekunden. Uns war relativ schnell klar, dass da wohl endlich doch was zu Gange war und so schrieb ich unserer Hebamme um 20:38 Uhr eine SMS, dass die Wehen nun regelmäßiger und ziemlich schmerzhaft wurden und es ja heute vielleicht doch noch etwas werden würde. Später erfuhren wir dann, dass sie die SMS erst nach der Geburt gelesen hatte. Da die Wehen aber immer heftiger wurden, rief meine Frau etwa 20 Minuten später bei der Hebamme an, dass es nun wirklich losging. Währenddessen war mein Körper schon ganz mit Wehen beschäftigt und ich tigerte zwischen Spielzimmer – in dem wir für die Geburt alles vorbereitet hatten – und dem Bad hin und her.

Die Wehen verarbeitete ich teilweise abgestützt an diversen Möbeln, teilweise auf der Toilette sitzend und suchte immer wieder nach einer angenehmen Position. Am Ende verschlug es mich auf den Gebärhocker, auf dem ich dann immernoch saß als um 21:24 unsere Hebamme endlich anrief, sie stände nun vor der Tür. Meine Frau holte sie ab und kurz darauf waren wir alle im Spiel-jetzt-Gebärzimmer versammelt. Die Wehen kamen weiterhin in ziemlich kurzen Abständen und brachten mich ziemlich ins Schwitzen. Ich zitterte am ganzen Körper und trank zwischen den Wehen noch ein paar Schlucke Cola, um gegen die plötzliche Übelkeit anzukommen.

Während der folgenden Wehen massierte mir unsere Hebamme immer wieder den Rücken, redete mir gut zu und ließ meine Frau schonmal Handtücher vorwärmen und Wasser aufwärmen. Zwischen zwei Wehen entschied ich mich schonmal Leggins und Unterwäsche auszuziehen, da mir das irgendwie alles zu eng und unbequem wurde. Das nahm die Hebamme gleich als Gelegenheit, um mich zu untersuchen und ihr für uns ziemlich überraschendes Ergebnis waren 9 cm Muttermundsöffnung. Zu dem Zeitpunkt war es geschätzt 21:50 Uhr (+/- 5 Minuten). Das gab mir natürlich gleich noch etwas mehr Energie, wäre allerdings fast schon nicht mehr nötig gewesen, denn innerhalb der nächsten 2-3 Wehen wurde der Druck vom Köpfchen plötzlich viel stärker und mir war klar, dass nun die Presswehen begannen. Währenddessen lief meine Frau noch beim Wasserkochen und Katzen füttern durch die Wohnung und wurde von unserer Hebamme zurückgepfiffen mit den Worten „Das Baby kommt jetzt!“

Nach den ersten Presswehen schlug die Hebamme vor ich solle mich besser in den Vierfüßler hocken, da das besser für das Gewebe wäre – bei der ersten Geburt hatte ich einen Dammriss 2. Grades und natürlich wollten wir alle verhindern, dass es wieder zu ähnlichen Verletzungen kommt. Ich ließ mich also schnell auf die Knie fallen, bevor die nächste Presswehe anrollte und dirigierte meine Frau zum Festhalten vor mich, während die Hebamme hinter mir noch ein wenig Kram hin- und herräumte. Während der folgenden Wehen konnte ich ziemlich genau spüren, wie das Köpfchen immer tiefer rutschte. Da die Geburt unserer Tochter sehr viel länger gedauert hatte, hatte ich bei ihrer Geburt gegen Ende sehr viel weniger Energie und ließ meinen Körper einfach machen, sodass ich solche Details überhaupt nicht registrierte. Es vergingen dann noch wenige Wehen bis das Köpfchen endlich geboren war. Später erfuhren wir, dass erst jetzt die Fruchtblase geplatzt war. Ich schaute sofort zwischen meine Beine und legte eine Hand auf seinen Kopf. Die Hebamme redete dann beruhigend auf mich ein und hielt mich bei den weiteren Wehen ziemlich zurück, damit das Risiko von Verletzungen so gering wie möglich blieb.

Um 22:22 Uhr erblickte unser Sohn schließlich das Licht der Welt.

Wir zogen dann ziemlich schnell alle zusammen auf die Matratze in der Ecke des Zimmers um. Der Kleine knötterte und meckerte ordentlich und machte klar, dass ihm das Ganze so gar nicht passte. Wir kuschelten einige Zeit gemeinsam bis unsere Tochter schließlich eine gute halbe bis dreiviertel Stunde nach der Geburt aufwachte. So konnte auch sie noch mitten in der Nacht ihren kleinen Bruder kennenlernen, er bekam sogar eine kleine erste Streicheleinheit von ihr. Es folgte die U1 (KU 36cm, Länge 55cm und 3750 Gramm), ich ging noch duschen und irgendwann landeten wir alle zusammen im großen Familienbett.

Sturkopf!

Ist wohl auch unser 2. Kind von Beruf. Grr.

Schleimpfropf hat sich verabschiedet, minimale Schmierblutungen, schön brav recht leichte Wehen. Aber nix halbes und nix ganzes. Wenn der Herr nun nicht bald kommt, dann…. Dann wird er die ersten 24 Stunden extrem viel gekuschelt! *droh* Und wenn er das erste Mal einschläft weck ich ihn auf. Mit kitzeln. Hah! (Als ob unsere Kinder sich davon beeindrucken lassen. Er wird garantiert einfach weiterpennen, selbst wenn eine Bombe neben ihm einschlagen würde).

Dazu haben wir ein schubendes Kleinkind. Juchuuuu! Alles ist heul, heul, heul und essen, essen, essen. Und Mama und Mami am Rockzipfel kleben. Und wehe, es sind nicht beide in unmittelbarer Nähe… Dann „zurück auf Anfang und heul, heul, heul.“ Außerdem frisst die Kickboxerin uns die Haare vom Kopf, ehrlich! Und dünn ist sie geworden. Jegliches Zeichen von Babyspeck ist irgendwie weg. Hach, Großkind…

Schlaaaaaf…

…bekommt gerade der Rest meiner Familie (bis auf den Kater, der miauend und meckernd rumläuft, weil er – mal wieder – Hunger hat).

Zeit für ein Mini-Update (oder ein größeres?).

Wir befinden uns mitten in der 40. Woche (39+4) und irgendwie… Ach menno. Es tut sich nix! Also, meine Frau weht schön brav vor sich hin, fast jeden Abend, aber irgendwie bleibt es dann dabei und irgendwann hört es dann wieder auf. Ich hoffe, der Kleine lässt sich nicht mehr allzu lange Zeit, ich bin so neugierig! Und Baby-sehnsüchtig!

Unser Töchterchen ist einfach nur der Hammer. Keine Ahnung, was bei der gerade im Gehirn abgeht, aber plötzlich versteht sie so, so, so dermaßen viel! Sie kann uns mittlerweile antowrten (mit Kopfschütteln oder Nicken, Sprechen ist ja für Anfänger!), wenn wir sie „einfache“ Sachen fragen. Sowas wie: Magst du was essen, willst du tragen, willst du laufen, magst du noch was trinken, magst du kuscheln, willst du einen Kuss – Alltagssachen eben. Sie sagt uns abends, wenn sie ins Bett möchte („Willst du schlafen?“). Und sie läuft. Und läuft. Und läuft. Gestern ist sie sicher eine 3/4 Stunde einfach nur gerannt, gerannt, gerannt, quer durch die Stadt. Obwohl sie tooodesmüde war und schlicht nicht mehr konnte. Willenskraft halt.

Eine Baustelle haben wir trotzdem. Sie haut zu. Zum Glück bisher nur uns. Und sie schlägt wild um sich, wenn sie gerade keine Lust auf Körperkontakt hat. Ich hab das Gefühl, sie versteht schon, dass wir das nicht gut finden; wir sagen ihr das jedes Mal und direkt danach kommt sie kuscheln oder – beim Tragen vorm Bauch – legt ihren Kopf an meinen Kopf und lässt sich kuscheln. Ich hoffe, die Phase dauert nicht allzu lange an. Auch, weil ich das Gefühl habe, dass sie selber das irgendwie total fertig macht, dass sie ihre Emotionen in dem Moment nicht anders ausdrücken kann.

Dafür ist sie so wahnsinnig kooperativ, dass ich nicht selten einfach nur fassungslos zuschauen kann. Sie geht in die „falsche“ Richtung, wenn wir unterwegs sind; wir sagen ihr „Helli, wir wollen aber doch hier lang“ – und sie kommt uns strahlend nach. Sie spielt unterwegs gerade irgendwo, wir lassen sie eine Zeit lang und irgendwann wollen wir gehen, sagen ihr das – in 90% der Fälle unterbricht sie das Spielen sofort und kommt einfach mit! Sie macht kein allzu großes Drama mehr beim Einbinden ins Tragetuch und hält meistens, wenn sie gerade nicht mies drauf ist, total still, bis ich fertig bin. Sie trägt Sachen, die ich ihr in der Küche mit den Worten „Bring das mal Mami“ in die Hand drücke, tatsächlich zu meiner Frau. Selbst die Flasche mit einem Liter Orangensaft hat sie 3/4 des Weges getragen und war dann frustriert, weil es ihr zu schwer wurde. Und es gibt noch dutzende solcher Beispiele, wo ich einfach nur daneben stehe und mir denke: Hallo? Kind, du bist 14,5 Monate alt, du bist einfach nur der Hammer!

Und zuletzt: Das Kind macht mich einfach nur glücklich, glücklich, glücklich. Und ich glaube, das merkt sie ganz genau 😉

Einmal Krankenhaus und zurück!

Keine Sorge, allen Beteiligten geht es gut. Wir waren heute noch spontan auf einem Infoabend im Krankenhaus.

Anlass war das Aufklärungsgespräch mit unserer Hebamme über die Hausgeburt. Dabei sind wir nämlich auf das Thema Verlegungsklinik für den Notfall gekommen. Eigentlich hatten wir das nächstgelegene Krankenhaus angepeilt in dem wir auch mit dem Töchterchen schon anlässlich des Fieberkrampfes waren. Doch unsere Hebamme ist von der Klinik so garnicht begeistert und legte uns ans Herz dort nur im wirklichen Notfall (mit-Krankenwagen-und-Blaulicht-Verlegung) hinzufahren. Also machten wir heute einen spontanten Ausflug zu einem etwas außerhalb gelegenen Klinikum, das von der Website her einen recht netten Eindruck machte… erstmal soviel: ich hoffe, dass nichts schief geht und wir niemals nicht in eine Klinik müssen!

Hier mal stichpunktartig die Erkenntnisse des Tages:

– Familienzimmer heißt nur so und ist keins, denn Geschwisterkinder müssen aus „versicherungstechnischen Gründen“ draußen bleiben
– Wöchnerinnenzimmer haben Dimensionen von Gefängniszellen und sehen auch fast so unpersönlich aus. Nett eingerichtet? Fehlanzeige. 2 Krankenhausbetten, 2 Kinderbetten, eine kleine Ablage zum Wickeln mit einer abgenutzten Wickelunterlage. Damit war das Zimmer dann aber auch brechend voll.
– auch im Kreißsaal haben Geschwisterkinder nichts zu suchen… Höchstens kurz, aber dann müssen Geschwisterkinder wieder raus. Warum? Wurde uns nicht gesagt, ich kann’s mir auch nicht erklären, aber ab zur nächsten Erkenntnis:
– eigentlich hat man in der Klinik eine Alleingeburt, denn für drei Kreißsäle ist nur eine einzige Hebamme vorhanden. Im Zweifelsfall liege ich also alleine da in den Wehen, während meine Frau aus unerfindlichen Gründen draußen auf das Töchterchen aufpassen muss anstatt mir mit der Kleinen Gesellschaft zu leisten…
– Eine Schwangere fragte dann, was passiert, wenn sie in der Gebärwanne entbinden möchte (Hintergrund: Nur 2 der 3 Kreißsäle hatten eine Wanne) und im „falschen“ Kreißsaal ist. Die Hebamme antwortete ganz salopp (dabei sah sie aus, als wäre sie von der genialen Idee, die sie da hatte, vollends überzeugt): Na, dann schauen wir, ob wir nicht den Kreißsaal tauschen können! Die arme andere Schwangere, die mitten in den Wehen in einen anderen Kreißsaal gekarrt wird… Auf die Nachfrage, wie oft es vorkommt, dass alle Gebärwannen belegt sind nur ein verlegenes Rumdrucksen seitens der Hebamme, ohne genauer zu werden.
– ambulante Geburten sind zwar theoretisch möglich, aber eigentlich nicht gern gesehen. Eine andere Schwangere fragte danach und bekam darauf eine Antwort nach dem Motto: „Sie KÖNNEN nach 2 Stunden gehen… Also, natürlich NUR, wenn es dem Kind gut geht. Und wenn es ihnen selbst gut geht. Aber EIGENTLICH bleiben die meisten Frauen schon 3 Tage hier!“ *blinkblink* *strenger Blick*
– Es gibt da keinen Kinderarzt nach 16 Uhr… was einem viele Mitschwangere immer erzählen von wegen Sicherheit für Mutter und Kind in der Klinik trifft also nicht wirklich zu. Im Notfall wird das Neugeborene ALLEINE in eine andere Klinik verlegt (Entfernung mit dem Auto laut Google 29 Minuten) und die Mama dann unter Umständen am nächsten Tag(!) auch… wenn es ihr gut geht. Wenn nicht, dann sobald es ihr gut geht. Suuuuuper… der Weg in die Kinderklinik wäre darüber hinaus sehr viel weiter als der Weg von uns aus dorthin (Entfernung: 8 Minuten mit dem Auto, mit Rettungswagen ca. 6 Minuten – haben wir ja schon hinter uns…)
– Essen während der Entbindung? Naja, wenn grad was da ist und man bespricht das dann mit der vielleicht-gerade-anwesenden-oder-auch-nicht-Hebamme… Ja, vielleicht darf man dann was essen… Also ehrlich, das ist doch meine Entscheidung wann und ob ich etwas essen möchte, oder nicht? Ist Essen dürfen nun ein Privileg geworden? Und gönnerhaft dann direkt hinterher: Also, trinken dürfen sie natürlich immer!
– Gleiches gilt für Schmerzmittel und besonders PDA: Man bespricht das dann mit der Hebamme, denn „man ist ja unter der Geburt auch immer im Gespräch miteinander, da kann man sich dann ja besprechen“… heißt, man bekommt die PDA wenn die vielleicht-gerade-anwesende-oder-auch-nicht-Hebamme der Meinung ist, dass das sinnvoll oder passend wäre UND der Anästhesist zufällig verfügbar ist… hoffentlich geht der nicht auch schon um 16 Uhr nach Hause! Selbstbestimmte Geburt? Wohl eher nicht. Oder: Ja, wenn man zufällig der gleichen Meinung wie die Hebamme ist…
– U1 wird in einem extra Raum gemacht, im „Stillraum“… in den ich als gerade Entbundene vermutlich nicht mitdarf, oder? Außerdem, wer rennt schon nach der Entbindung munter und gut gelaunt quer durch die Station… Beim Töchterchen fand die U1 wunderbar entspannt im Geburtshausbett umringt von ihren erschöpften Mamas und den liebevollen Hebammen statt und das war auch gut so!
– Und, was besonders meine Frau sehr geärgert hat: Da sieht die blöde Kuh genau, dass ein Frauenpaar anwesend ist und erwähnt bei jeder noch so tollen Gelegenheit: Die Väter dieses – die Männer jenes – Wäre ein „der Partner, der Begleiter“ denn zuviel verlangt gewesen? Wir standen genau.vor.ihrer.Nase! Ignorantes Weib…

Das beste am Abend war das freudestrahlende Töchterchen, das die werdenden Väter während der Besichtigung unterhielt und sich über die schönen Fische im Foyer freute. Wir fuhren dann gemütlich wieder nach Hause, entschieden, dass bei der Hausgeburt einfach alles gut laufen muss und wir niemals nicht freiwillig ins Krankenhaus für eine Entbindung gehen würden. Auf dem Heimweg schlief das Teufelchen dann seelig ein und wachte nicht einmal beim Ausbinden aus dem Tuch und anschließendem Wickeln im Bett auf.