Umgezogen.

Seit heute wieder Internet. Küche ist seit einigen Tagen auch wieder voll funktionsfähig. Zimmer auch gut eingerichtet, unsere Kisten sind zum Großteil ausgepackt.

Wird langsam. 🙂

Und der Kater lebt und ist hungrig…

Kater…

Eine unglaublich anstrengende Woche liegt hinter uns. Vorab: Der Eintrag wird vermutlich etwas „emotionslos“ rüberkommen. Liegt daran, dass es anders zu sehr weh tun würde…

Die Woche hat mit dem Ultraschalltermin in Berlin begonnen. Baby L ist knapp einen cm groß gewesen und die Ärztin und meine Frau konnten den Herzschlag sehen (ich hab’s leider nicht erkannt 😀 ). Soweit also alles gut, die Ärztin war überglücklich, wir waren glücklich, alles wunderbar. Der Tag war auch echt schön, die Große hat dann noch ein Schmetterlings-Kostüm in einem Laden bekommen und irgendwann gegen 20 Uhr waren wir dann wieder am Leipziger HBF.

Am nächsten Tag bin ich morgens zu den Katzen gefahren und hab festgestellt, dass der Kater irgendwie gelblich in den Mundwinkeln und am Zahnfleisch ist – gesundheitlich hat er uns ja eh ziemlich Sorgen gemacht in letzter Zeit, aber da das Blutbild vor 2 oder 3 Monaten nix ergeben hat, haben wir es eher auf psychische Ursachen geschoben. Wir waren in letzter Zeit eben häufig abwesend und dass das den Katzen eher nicht so gut tut, ist ja klar…

 

Zusammen damit, dass er in den letzten 2 Wochen massiv Gewicht verloren hat, hab ich mich dann entschlossen, noch am gleichen Tag mit ihm in die Tierklinik zu gehen. Meine Freundin hat mich und den Kater begleitet und nach Röntgen und Ultraschall war dann klar, dass es nicht allzu gut für ihn aussieht 😦 Das war dienstags. Wir haben dann für Donnerstag Abend einen Termin zur Biopsie gehabt und Freitag abends die Befundbesprechung. Nichts absolut eindeutiges. Sieht aber nach Lymphom oder FIP aus – quasi die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ein Lymphom könnte man behandeln, mit Chemotherapie – aber Heilung wäre das nicht, im Mittel leben Katzen danach noch ein Jahr. Cortison könnte man auch versuchen, aber auch da: Keine Heilung, es würde ihm vermutlich kurzfristig besser gehen, aber irgendwann würde der Zeitpunkt kommen, an dem es dann (rapide) zu Ende geht. Zusätzlich ist seine Leber massiv vergrößert und er ist abgemagert, wiegt nicht einmal mehr 4 Kilo. Er ist knochig mit riesigem Kullerbauch…

Ich habe also die letzten Tage damit verbracht, zu weinen. Neben mir zu stehen. Noch mehr zu weinen. Neben dem Kater auf dem Fußboden zu liegen, mit ihm zu kuscheln, bei ihm weinen. Immer dabei: Schmerz. Bis auf die wenigen Momente, wo ich so neben mir stehe, dass ich den Schmerz nicht mehr wahrnehme. Dieser Kater ist mir einfach so unglaublich wichtig, er begleitet mich nun, seit ich 14 bin – und hat 10 seiner 12 Jahre bei mir gelebt. Er ist realistisch gesehen der Grund, weshalb ich meine Jugend überlebt habe. Und ich hätte nie und nimmer damit gerechnet, dass es so früh so schlimm um ihn steht. Und wir so früh an ein Leben ohne ihn denken müssen…

Baby L.

Basisdaten:

HCG: “PU“+16: 263, “PU“+18: 498, “PU“+23: über 4800.

Progesteron, jeweils zum gleichen Zeitpunkt 4,x — 5,x — 38,x

Der erste Hebammentermin liegt hinter uns (an 5+2) der erste Ultraschall ist an 7+0 im Kinderwunschzentrum. Also nächsten Montag… Ich bin zuversichtlich, dass wir ein schlagendes Herz sehen und alles gut ist.

Mehr als ein halbes Jahr. Ein Rückblick.

Triggerwarnung – detailreiche Beschreibung von Selbsterverletzung, Magersucht, Kinderwunschgedöns

 

Ich beginne diesen Beitrag am 9.12.2016 und denke, es wird etwas Zeit dauern, bis er tatsächlich fertig ist.

Es sind nun mehr als 6 Monate. 6 Monate, die psychisch für mich wohl die härtesten Monate im „Erwachsenenleben“ waren. Ob es „vorbei“ ist? Ganz ehrlich, ich kann es nicht sagen. Ich weiß es nicht. Diese 6 Monate haben mich an meine Grenzen gebracht, oder darüber hinaus? Es gab Momente, in denen ich schlicht und ergreifend „weg“ war. Momente, in denen ich nicht sprechen konnte. Momente, in denen ich mich nicht bewegen konnte. Es sind zig Erinnerungen aus meiner Kindheit/Jugend hochgekommen, vieles davon tatsächlich schwerwiegend und belastend. Ich habe über 20 Kilo verloren. Und bin gerade dabei, es nun auf dem Niveau endlich stabil zu halten. Der Punkt „verzerrte Körperwahrnehmung“, der bei mir mit der Magersucht kommt und mit wieder-stabil-werden geht, ist seit locker 2, eher 3 Monaten verschwunden. Übrig bleibt die Kompensation; wenn es mir psychisch schlecht geht oder wenn ich unter Druck stehe, esse ich nicht. Oder wenig.

Thema war im letzten halben Jahr auch immer wieder Selbstverletzung. Ich schneide nicht mehr. Seit einem Schlüsselmoment hab ich’s einfach gelassen. Es waren zwei Seiten… Einerseits war das letzte Schneiden für mich selbst einfach gruselig. Ich schnitt und schnitt in meine Haut und fand kein Ende; es waren sicherlich 30 unterschiedliche Schnitte und ich hatte zum Teil mehrere Male nochmal in eine entstandene Wunde reingeschnitten. Und empfand einfach nur Spaß dabei, hörte Musik, tanzte – und schnitt. Immer und immer wieder. Im Nachhinein macht mir das einfach nur Angst. Es war nicht dramatisch tief, gefährlich oder sonstwas – aber ich hatte einfach das Gefühl, ich könnte das stundenlang machen. Empfand keinen Schmerz dabei. Sah das Blut laufen und fand es … schön?

Die zweite Seite war die Reaktion meiner Freundin. Bisher war bei mir angekommen, dass sie diese Seite an mir einfach annimmt, hinnimmt, es ihr nicht großartig was ausmacht. Dachte ich… War nicht so. Sie bat mich, es zu lassen, und ich ließ es. Es gab seitdem nochmal etliche Tage, in denen ich einfach unglaublichen Druck hatte, zu schneiden, es aber niemals auch nur ansatzweise getan hätte. Das letzte Mal ist nun fast 8 Wochen her. Die Gedanken daran werden weniger. Auch, wenn ich ehrlich zugeben muss – allein für mich hätte ich es niemals gelassen. Dafür war es ein zu angenehmes Mittel, um meine Gedanken zu ordnen, um mich zu beruhigen, um psychische Schmerzen auszublenden… Ja. Es half leider bei etlichen Dingen, die nun schwieriger geworden sind. Aber machbar.

Was psychisch noch da ist und definitiv nicht so bald verschwinden wird ist meine Verlustangst. Vor 5, 6 Monaten war die Verlustangst tatsächlich lähmend, belastend. Es ist besser geworden, ja. Aber gut… Nein, so wie es jetzt ist, ist es von „gut“ noch weit entfernt. Obwohl ich zumindest von meiner Freundin all die Bestätigung bekomme, die ich brauche – und noch so viel mehr… Es ist emotional zum Teil wirklich, wirklich schwierig. Ich denke, das Thema wird mich noch etliche Jahre begleiten und selbst dann wird es nicht immer, nicht jederzeit „gut“ sein.

Soviel zum Rückblick. Aktuell geht es mir tatsächlich gut. Es gibt Baustellen, ja. Definitiv. Aber der letzte Zusammenbruch ist etliche Zeit her. Ich werde stabiler. Belastbarer.

Was nach wie vor nervig bis belastend ist sind die Stimmungsschwankungen. Gerade für mich ist es schlimm, weil ich teilweise echt dastehe und genau weiß, dass das, was ich fühle, was ich denke, einfach krank ist. Unbegründet, übertrieben. Unangemessen – ich glaube, das trifft es am besten. Etwas dagegen tun kann ich leider oft nicht – kleinere Dinge bekomm ich häufig mit etwas Kopfarbeit noch ganz schnell und unkompliziert aufgedröselt. Sobald es aber komplexer wird und/oder mit wirklich tief verwurzelten Ängsten spielt, bin ich relativ machtlos. Brauche Stunden, um halbwegs normal denken zu können; aus den Gedanken “auszubrechen“. Aber auf der “Haben“-Seite steht: ich bekomm es hin. Ohne mir selbst zu schaden, ohne kompletten Zusammenbruch. Aber es ist anstrengend und es kommt alle paar Wochen vor, dass ich den restlichen Tag zu wenig bis nichts mehr zu gebrauchen bin. Gerade wenn es in die Richtung Verlustangst geht…

Aber nun zu den absolut und bedingungslos positiven Seiten. Ich bin glücklich. Wahnsinnig glücklich. Und es ist wundervoll anzusehen, wie unsere Kinder zwei Erwachsene als enge Bezugspersonen und drei (Geschwister)Kinder „gewonnen“ haben. Wie sehr sie an diesen Menschen hängen. Es ist spannend, zu beobachten, wie die Kinder insbesondere auf die Erwachsenen reagieren, wie sie mit ihnen interagieren. Wie das Level an Vertrauen, das da langsam entsteht, immer höher wird.

 

Was sonst im Jahr 2016 passiert ist? Die Kinderwunschbehandlung war extrem kräftezehrend. Im Mai hatten wir unseren ersten Termin und waren theoretisch bereit, sofort loszulegen – im Dezember haben wir dann positiv getestet. Dazwischen war viel vergedeute Zeit, weil ungenutzte Zyklen, meine Frau hat sich unendlich viel Hormonzeug reinpumpen müssen (z. T. für nichts, da sie 5 Zyklen Hormone nehmen musste und es nur 3 Transfere gab). Einmal (nach der IVF/dem ersten Transfer) hatten wir positive Tests, aber es wollte nicht bleiben. Und jedes.einzelne.Mal wartete die Strecke Leipzig-Berlin-Leipzig innerhalb eines Tages auf uns. Mal mit Auto, mal mit ICE, mal mit Nahverkehr. Entweder meine Frau allein, oder zu viert, oder zu sechst.

Seit Oktober studiere ich wieder, Vollzeit, geplant sind Prüfungen im „Gegenwert“ von 30 ECTS dieses Semester. Auch das hat sich geändert. Negative Auswirkungen sind, dass ich ein wenig den Kontakt zu den Kindern verliere, was mir echt unglaublich weh tut. Zumindest die Große scheint sich aber dran zu gewöhnen und nach anfänglichem „nur Mami (meine Frau) darf X, Y, Z mit mir machen“ legt es sich langsam und ich „darf“ auch wieder Sachen mit ihr machen, manchmal wählt sie sogar freiwillig mich. Es tut einfach auch weh, den Kindern nicht das Gefühl geben zu können, „immer“ da zu sein – während meine Frau aber immer da IST. Beim Sohn ist’s grundsätzlich auch noch etwas schwieriger als bei der Großen. Nachdem es in seinem 2. Lebenshalbjahr so war, dass er mich und meine Frau endlich nahezu gleichermaßen akzeptiert hat, schlägt das nun phasenweise wieder etwas um und ich kann ihn manchmal, wenn meine Frau auch verfügbar ist, absolut nicht trösten. Wenn wir allein sind oder ich allein mit beiden Kindern bin, ist das glücklicherweise anders. Trotz allem – Vollzeit studieren werde ich definitiv nicht weiter. Das ist’s einfach nicht wert. Es fehlt grundsätzlich so sehr Zeit für andere Dinge und gleichzeitig hab ich das Gefühl, noch lange nicht genug Zeit mit Lernen und Uni zu verbringen. Realistischerweise werde ich wohl in den kommenden Semestern etwa 50% eines Vollzeitstudiums hinbekommen. Aber das reicht. Mir und überhaupt. Und das Studium wird sich dadurch in die Länge ziehen, ja – aber dafür hab ich dann sicherlich genug Zeit für die Kinder und auch ein wenig Zeit nur für mich. Und ich werde mich mit Uni tatsächlich auch beschäftigen können und nicht nur das absolut nötigste tun, um durch die Prüfung zu kommen. Denn grundsätzlich interessiert mich das, was ich da studiere, schon und es ist einfach schade, dass ich nicht die Zeit habe, mich wirklich intensiv mit den Inhalten auseinanderzusetzen.

Das war’s im Prinzip. 2016 hat wohl die größten Veränderungen überhaupt mit sich gebracht und zumindest für mich war es aufregend, schwierig, wundervoll und furchtbar gleichzeitig. Es sind etliche schreckliche Dinge passiert und mindestens genausoviele wundervolle Sachen. Alles in allem, vor allem gefühlsmäßig, ein Jahr der Extreme 🙂